Die 1. Etappe des Brennerweges: Vom Brennerpass nach Steinach/Brenner

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Die Route vom Brenner bis nach Matrei. Streckenlänge: 23,5 km

Die 1. Etappe wird vom beschaulichen Brennersee eingeleitet – wir pilgern durch eine Talenge namens Lueg – in Gries steigen wir zu einem ganz wunderbaren Jakobs-Kirchlein auf – dann völlig entspanntes Pilgern auf einer Art Mittelgebirge nach Nösslach –  Abstieg nach St. Jodok und schließlich lockeres Auspilgern nach Steinach am Brenner. Für Genuss-Pilger_innen kann Steinach durchaus die Endstation der Etappe bedeuten, für sportlichere Pilgersleute geht’s meistens noch bis Matrei. Aber das beschreibe ich in der 2. Etappe.

Streckenlänge: ca. 13 km; Dauer: ca. 5 Stunden

Der Brennerweg des Tiroler Jakobsweges wurde im Mittelalter vor allem von Pilger_innen aus Südtirol benutzt. Sie wollten auf ihrem Weg nach Santiago zuerst nach Maria Einsiedeln, genauer: zur Schwarzen Madonna pilgern. Diese Kultfigur wurde früher in ganz Tirol tief verehrt.

Die 1. Etappe des Brennerweges beginnt auf der Passhöhe in 1.370 m Seehöhe. Hier herrschte jahrzehntelang das denkbar munterste Treiben. Wir Österreicher deckten uns mit Wein, Gorgonzola, Proschiutto und anderen Spezereien ein. Das hat sich geändert seit die Zöllner aus dem Ortsbild ‚Brenner‘ verschwunden sind.

Dieser Grenzstein aus Marmor markiert seit 1919 den Grenzverlauf zwischen Italien und Österreich.

Dieser Grenzstein aus Marmor markiert seit 1919 den Grenzverlauf zwischen Italien und Österreich.

Wir Pilger_innen beginnen die 1. Etappe auf österreichischem Gebiet beim Grenzstein, der ab 1919 die italienische Grenze markierte. Von hier aus geht’s auf der alten Bundesstraße leicht abwärts bis zur Autobahnauf- und -abfahrt Brennersee. Und genau hier beginnen gelbe Pfeile, die uns jetzt bis Matrei begleiten werden.

Diese 1. Etappe am Brennerweg ist aufgrund der topografische Lage etwas laut. Autobahn, Bundesstraße und Eisenbahn zwängen sich von Gries kommend durch das nach oben enger werdende Tal. Der bezaubernde Brennersee schafft ein wenig Ausgleich zu Lärm und Gestank.

Ein Biotop unmittelbar neben der wohl brutalsten Nord-Süd-Achse über die Alpen: der Brennersee.

Ein Biotop unmittelbar neben der wohl brutalsten Nord-Süd-Achse über die Alpen: der Brennersee.

Wir bleiben auf dem Weg und folgen den gelben Pfeilen bis zu den ersten Häusern. Dann bitte dem Güterweg und den Jakobsweg-Tafeln folgen und nicht auf den Waldweg einbiegen, der unter der Autobahn durchführt. Stattdessen gehen wir einfach talauswärts in Richtung Lueg, einer historischen Talenge.

Das Kirchlein zu Ehren des Hl. Sigmund und des Hl. Christophorus in Lueg, direkt am Brennerweg des Tiroler Jakobsweges.

Das Kirchlein zu Ehren des Hl. Sigmund und des Hl. Christophorus in Lueg, direkt am Brennerweg des Tiroler Jakobsweges.

Und hier treffen wir gleich auf die erste der zahlreichen Kirchen und Kapellen des Brennerweges. Die Kapelle zu Ehren von St. Sigismund und St. Christophorus ist der eigentlich klägliche Rest einer einst talbeherrschenden und vermutlich stolzen Burg namens Lueg.

Nach der Kirche folgt der Tiroler Jakobsweg der Brenner-Bundesstraße hinein nach Gries. Und knapp vor dem eigentlichen Ortsanfang fand am 3. Mai 1530 eine hisorishe Begegnung statt: der eben gekrönte Kaiser Karl V. traf hier auf Ferdinand I., den Tiroler Landesfürsten und späteren römisch-deutsche Kaiser. Daran erinnert eine marmorne Gedenktafel, die im Fels eingelassen ist.

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Nicht wirklich einladend, aber höchst interessant ist ein Gebäude am Ortsanfang von Gries. Das ehemalige Gasthaus zum schwarzen Adler, dann Landhof zeugt von der Bedeutung der alten Brennerstrecke in früheren Jahrhunderten. Seit dem Bau der Autobahn braucht’s auch den Schwarzen Adler nicht mehr.

Ach dieses Haus an der alten Brenner-Bundesstraße erinnert an die großen Zeiten der Transitstrecke kurz vor der Passhöhe.

Auch dieses Haus an der alten Brenner-Bundesstraße vor Gries erinnert an die großen Zeiten der Transitstrecke kurz vor der Passhöhe.

Gries selbst ist ein Straßendorf. Und wenn es nicht das Jakobs-Kirchlein gäbe, wäre die Beschreibung des Ortes für Jakobspilger in einigen Sätzen abtetan. So aber machen wir uns vom Ortszentrum aus auf den – eher steilen – Weg nach oben. Denn St. Jakob thront etwa 200 m über dem Talgrund.

Das wundersame St. Jakobs-Kirchlein hoch über Gries. Um ehrlich zu sein: unmittelbar unter diesem gotischen Juwel brettern ohne Unterlass LKW, Motorräder und Autos von Nord nach Süd und umgekehrt. An Contemplation ist hier leider nicht zu denken.

Das wundersame St. Jakobs-Kirchlein hoch über Gries. Um ehrlich zu sein: unmittelbar unter diesem gotischen Juwel brettern ohne Unterlass LKW, Motorräder und Autos von Nord nach Süd und umgekehrt. An Contemplation ist hier leider nicht (mehr) zu denken.

Angeblich ist dieses Juwel gotischen Kirchenbaus von einem Santiago-Pilger gestiftet worden. Trautson hieß der Adelige, der – so die Geschichte – im Jahre 1305 nach Santiago pilgerte und anschließend – vermutlich aus Dankbarkeit –  den Kirchenbau in Auftrag gegeben hatte. Verbrieft ist das Kirchlein seit 1426. Aus dieser Zeit stammt auch der spätgotische Flügelaltar. Wie überhaupt die Innenausstattung dieses Kirchleins wahrhaft farbenprächtig und wunderbar ist.

Das Innere des außergewöhnlichen Jakobs-Kirchleins in Gries mit dem gotischen Flügelaltar

Das Innere des außergewöhnlichen Jakobs-Kirchleins in Gries mit dem gotischen Flügelaltar. Hier sind auch Führungen möglich. Beachtet bitte die Anschläge an der Anschlagstafel der Kirche. Aber: der Pilgerstempel liegt außerhalb der Absperrung auf.

Von der Kirche aus entführt uns der Jakobsweg in eine eigene Welt. Wie auf einem Treppenabsatz pilgert man hoch über dem Talgrund dahin. Stets mit dem Blick auf die mächtigen Berge der Tuxer- und Zillertaler Alpen. Ein zauberhafter Pilger-Spaziergang jedenfalls. Bis wir uns halt wieder an die Autobahn annähern müssen. Und jetzt geht’s auch noch steil bergab in Richtung St. Jodok am Brenner.

Der Bergbauer vor dem außergewöhnlichen Panorama der noch schneebedeckten Berge des hinteren Zillertales.

Der Besitzer dieser einmaligen Bergwiesen, ein überzeugter Bergbauer posiert stolz vor dem außergewöhnlichen Panorama der noch schneebedeckten Berge des hinteren Zillertales. Die Geschichte zu diesem Bild: der Bauer ebnete die Maulwurfhügel seiner Wiesen händisch mit dem Rechen ein. Und die Wiese? Die befindet sich unterhalb einer gewaltigen Autobahnbrücke, von der allerlei Abfall durch die netten Zeitgenossen auf die Wiesen regnet. Auch das räumt der stolze Bergbauer zusammen. Ohne dafür auch nur einen Euro von der Autobahngesellschaft zu erhalten, wie er mir erzählte.

Diese wuchtige Brücke überspannt die Wiesen des Bauern.

Diese wuchtige Brücke überspannt die Wiesen des Bauern. Und von oben ‚regnet‘ es Müll auf die gepflegten Bergwiesen.

Das Wipptal hält überraschende Blicke parat. Wie hier jenen auf die Zillertaler Alpen. Ist das nicht wunderschöne?

Das Wipptal hält außerhalb der Autobahntrassen überraschende Blicke parat. Wie hier jenen auf die Zillertaler Alpen. Ist das nicht wunderschöne? Interessant ist auch diese Wegtrasse, die sehr alt sein dürfte.

Der Abstieg endet in Stafflach bei St. Jodok, wiederum an der alten Brenner-Bundesstraße. Es ist auf dieser Etappe wie auf einer Berg-und-Talbahn. 400 m Aufstieg, 400 m Abstieg usw. Aber: wer in Stafflach angekommen ist ist auch bald in Steinach. (Sofern Pilger nicht die Herberge im Pfarrhaus von St. Jodok für die Übernachtung wählen, die ich wärmstens empfehlen kann – siehe unten). Hurtig die Sill mit ihrem wunderschönen flaschenrünen Wasser übersetzt und vorbei am Gasthof Penz geht es zwar wieder bergauf, was jedoch erneut mit einer wunderbaren Aussicht belohnt wird.

Die Sill bei Stafflach am Brenner

Die Sill bei Stafflach am Brenner

Der ehemalige Gasthof Penz zeugt ebenfalls von der großen Vergangenheit der Brennerstraße. Hier haben sich mit größter Sicherheit die Tiroler Schützen vor den Schlachten Mut angetrunken, Fuhrwerksleute gezecht und mehr oder minder noble Herrschaften genächtigt.

Der ehemalige Gasthof Penz hat auch schon bessere Zeiten gesehen, zeugt aber ebenfalls von der großen Vergangenheit der Brennerstraße. Hier haben sich mit größter Sicherheit die Tiroler Schützen vor den Schlachten gegen die Franzosen Mut angetrunken, Fuhrwerksleute gezecht und mehr oder minder noble Herrschaften dürften hier wohl oder übel abgestiegen sein.

Der Blick auf Steinach am Brenner. Von nun an weitet sich das Tal.

Der Blick auf Steinach am Brenner. Von nun an weitet sich das Tal.

In Tirol ist es ein beliebter Brauch, historische Begebenheiten in Form von Fresken an Häuserfronten zu vermitteln. Wie diese Geschichte aus dem 30-jährigen Krieg.

In Tirol ist es ein beliebter Brauch, historische Begebenheiten in Form von Fresken an Häuserfronten zu vermitteln. Besonders beliebt sind kriegerische Fakten. Wie diese Geschichte aus dem 30-jährigen Krieg, die an eine Hausfront in Steinach geschrieben wurde. Ob sie stimmt – wer weiß es schon. Aber die Geschichte ist gut. Den Text könnt ihr unten lesen.

„Erinnerung an die Heimkehr der 7 Krieger im Jahre 1631 aus der Schweiz, welche von 200 ins Feld ausgerückten Mannen aus dem Gerichte Steinach nach 6 jähriger Abwesenheit zur Zeit des 30 jährigen Krieges noch übrig geblieben waren.“ 

(Anm: es handelte sich offenbar um Landsknechte, also Söldner, die ihrer Armut in den Bergen entfliehen wollten, wovon 193 den Tod fanden. Aber dann eine Heldengeschichte, wie sie das Volk heute noch liebt): 

„Darunter der tapfere Fähnrich Gallus Gogl aus dem Valsertale, welcher bei Martinsbruck zur Befreiung dieses viel beigetragen hat, eine Riesin überwand und in den Inn warf, das eiserne Thor des Thurmes an der Brücke aushob und der Riesen ins Wasser warf.“

Und abschließend noch eine herzzerreißende Schilderung eines sogenannten Missverständnisses. Ich bin mir sicher, dass der gute Mann eine ‚Hübschlerin‘ (heute: Mätresse) aus dem Krieg zurückbrachte. Denn woher sollte er auf den Schlachtfeldern irgendwo in Europa erfahren haben, dass seine Frau gestorben sei? Das Mädchen ist auf dem Fresko übrigens ganz rechts dargestellt.

„Das Mädchen nahm eine der Krieger mit sich aus dem Schweizerland, weil er irriger Weise erfuhr, dass während seiner Abwesenheit sein Weib gestorben sei aber welch ein ungünstiges Geschick als das gestorben gemeinte Weib ihrem Manne entgegenkam und das Mädchen wieder zurück musste in ihr Schweizerland.“

 

Wichtige Links für die Etappe vom Brenner nach Steinach

Streckendaten und Wegverlauf

Ortsbeschreibungen Gries am Brenner

Ortsbeschreibung St. Jodok am Brenner

Ortsbeschreibung Steinach am Brenner

Herbergen zwischen Brenner und Steinach/Brenner

Mauern bei Steinach – Schrommenhof, Fam. Riedl, Mauern 6, 6150 Steinach, Tel. 05272/6574,mail: info@schrommehof.com, www.schrommenhof.comGünstigster Preis € 19 pro Person im Doppelzimmer und mit Frühstück.

Steinach am Brenner – Haus Erika, Fam. Pardeller, Zirmweg 93, 6150 Steinach, Tel. 05272/6212, mail: st.haus.erika@aon.at, http://www.wipptal.at/de/urlaub-in-tirol/unterkuenfte/privatzimmer/haus-erika.html?sort=1 Günstigster Preis € 25 mit Frühstück. Doppelzimmer.

St. Jodok (zwischen Gries und Steinach) – Widum (Pfarrhaus); Tel. 0664-4156486. Selbstversorgerhaus mit 4 Schlafräumen, ideal auch für Gruppen bis 10 Pers. Preis pro Person: € 15

Gasthof Lamm, Fam. Eller, 6154 St. Jodok 7, Tel. 05279/5201, mail: info@gasthof-lamm.atwww.gasthof-lamm.atGünstigster Preis für Zimmer mit Frühstück: € 30,– pro Pers. Im Doppelzimmer/€ 42,– mit Halbpension

Pension Eller, Fam. Eller-Geir, 6154 St. Jodok 103, 6154 St. Jodok, Tel. 05279/5584 oder 0680-3130696, mail: textil@aon.at, http://www.wipptal.at/de/urlaub-in-tirol/unterkuenfte/pensionen/pension-eller.html?sort=1 Günstigster Preis für Zimmer mit Frühstück: € 18,– pro Pers. Im Doppelzimmer

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