Matrei am Brenner

Matrei zehrt nicht nur an seiner ruhmreichen Vergangenheit. Ein High-Tech-Unternehmen schafft Arbeitsplätze.

Mich wundert es nicht, dass Menschen die Gegend von Matrei vermutlich bereits zur Frühbronzezeit besiedelten. Jedenfalls deuten Funde aus dieser Zeit darauf hin. Liegt doch Matrei an einem strategisch günstigen Punkt des Wipptales. Und schön ist’s hier auch noch. Zudem: Seit 1251 hat der Ort das Marktrecht, im Mittelalter wurde hier das Salz aus Hall gelagert bevor es weiter über den Brenner ging. Da blieb Geld in der Hütte…

Das massive Rathaus von Matrei

Das massive Rathaus konnten sich die Matreier im Mittelalter locker leisten. Salz hieß das Stichwort.

An dieser Stelle will ich einmal eine Lanze für das Wipptal brechen. Denn zwei der schönsten Seitentäler sind von Matrei aus erreichbar: das wunderschöne Gschnitztal und das geheimnisvolle Navistal. Bekannt ist meist nur, dass die tosende und brausende Autobahn durch das Wipptal führt. Aber von den Nebentälern ist kaum oder sehr selten die Rede. Schade eigentlich. Oder vielleicht doch nicht so schlecht? Jedenfalls werden die beiden einzigartigen und  wunderschönen Täler nicht von Touristen überlaufen.

Das Gasthaus zum 'Goldenen Stern' wurde zwar in den letzten Kriegstagen zerstört aber - wie andere Gebäude in der Brennerstraße auch - wieder im alten Stil errichtet.

Das Gasthaus zum ‚Goldenen Stern‘ wurde zwar in den letzten Kriegstagen zerstört aber – wie andere Gebäude in der Brennerstraße auch – wieder im alten Stil errichtet.

Hier wissen die Zecher, wieviel es geschlagen hat. daer Gasthof zur Uhr in Matrei.

Hier wissen die Zecher, wieviel es geschlagen hat. daer Gasthof zur Uhr in Matrei.

Matrei selbst hat früher vom ‚Verkehr‘ absolut profitiert. Heute noch zeigt der Ort stolz die mit Erkern übersäten Häuserfassaden an der Brennerstraße. Wirtshaus reiht sich an Wirtshaus. Eines trägt den absolut seltenen Namen ‚Zur Uhr‘. Das Rathaus: ein Prunkbau, den sich die Gemeindeherren im Mittelalter vermutlich locker leisten konnten.

Brotsegnung Matrei Papst Pius 'VI

In Matrei segnete Papst Pius VI. Brot. Vermutlich aus Hunger und Geldnot.

Auf ihrem Weg nach oder von Innsbruck kamen nicht nur Hinz und Kunz durch Matrei. Auch berühmte Herrschaften verbargen sich hinter den Vorhängen von Kutschen und Kaleschen. Wie beispielsweise Papst Pius VI., der am 8. Mai 1782 durch den Ort kam. Offenbar war er sehr hungrig. Ich kann mir jedenfalls nicht anders erklären, weshalb er damals Brote einer Matreier Bäckerei gesegnet hatte. Und dafür ganz sicher mit einigen Wecken belohnt worden war.

Mit dem Bau der Brenner-Eisenbahnstrecke war dann aber Schluss mit Lustig. Der Warentransport wurde fortan auf der Schiene abgewickelt. Da brauchte es keine Kutscher, keine Rosse, keine Knechte und keine Lagerräume mehr. Schön langsam entwickelte sich jedoch der Autoverkehr, der aber in den 70er – Jahren des vorigen Jahrhunderts sintflutartige Ausmaße annahm. Durch den Bau der Autobahn ist wieder Ruhe in den Ort eingekehrt.

Blick auf das Matreier Becken

Blick auf das Matreier Becken samt zugehöriger Autobahnbrücke

Was man selbst in Tirol kaum weiß: in Matrei gibt es ein echtes ‚High-Tech-Unternehmen‘. Und das schon sehr lange. Hinter dem Allerweltsnamen ‚Gerätewerk Matrei‚ verbirgt sich ein Betrieb, dessen Stärke auf der „Wechselbeziehung von betrieblicher Leistung und genossenschaftlicher Struktur“ (Eigendefinition) beruht. Dass 99 % der Produkte – vor allem hochwertige Koch- und Heizgeräte und Werkzeugbaumaschinen – in den Export gehen, wissen die Wenigsten. Interessant ist die Organisationsform des Gerätewerkes (nach Wikipedia):

Das Gerätewerk Matrei ist eine Produktionsgenossenschaft nach Schultze Delitzsch. Die Genossenschaftsmitglieder sind Eigentümer des Unternehmens.

Basis dieser Betriebsform sei die Mitbestimmung und Mitverantwortung. Diese präge das unternehmerische Denken und Handeln und sorge für Transparenz und sachbezogenen Entscheidungen. Ziel der Genossenschaft sei nicht der maximale Gewinn, sondern die Existenzsicherung der Mitarbeiterinnen sowie die Weiterentwicklung des Unternehmens. Gewinne werden deshalb nicht als Renditen ausgezahlt, sondern für Investitionen verwendet.

Matrei wäre flächenmäßig immer gerne größer gewesen als der Ort heute ist. Mit Mühlbachl und Pfons gemeinsam – ja, da hätte man mehr dargestellt. Aber die beiden wollten nicht und lehnten erst in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Eingemeindung in Matrei rundheraus ab.

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und die Friedhofskirche zum Heiligen Johannes liegen außerhalb der Matreier Gemeindegrenze.

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und die Friedhofskirche zum Heiligen Johannes liegen außerhalb der Matreier Gemeindegrenze.

So kommt es auch, dass die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt auch Wallfahrtskirche Unser Herr im Elend in der Gemeinde Pfons liegt. Eine Schande? Nein, sicher nicht. Mehr noch: Auch die Friedhofskirche zum Heiligen Johannes liegt außerhalb der Matreier Gemeindegrenze. Was solls.

Und das bietet Matrei den Pilger_innen:

Trinkwasserbrunnen, Postamt, Bank und Bankomat, Arzt, Apotheke, Einkaufsmöglichkeiten, Schwimmbad.

 

 

 

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