Die 3. Etappe des Brennerweges: Von Pfons nach Innsbruck

Die offizielle Route des Jakobsweges von Pfons nach Innsbruck.

Die offizielle Route des Jakobsweges von Pfons nach Innsbruck. Streckenlänge: ca. 22,5 km

Auf der Römerstraße pilgern oder doch der ‚offiziellen‘ Trasse des Tiroler Jakobsweges bis nach Ellbögen folgen: hier muss eine Entscheidung auf den Tisch. Diese Etappe führt in beiden Fällen an teils steilen Abhängen mit unvergleichlichen Aussichten entlang zuerst in Richtung Ellbögen – dann am Fuß es berühmten Patscherkofels entlang nach Patsch wo wieder eine Entscheidung auf die Pilger_innen wartet: entweder am ‚offiziellen‘ Weg durch die Wälder bei Igls nach Innsbruck zu pilgern oder weiter der Salzstraße zu folgen – also entweder Natur oder Kultur – denn wer auf der Salzstraße weiter pilgert passiert in Lans zwei der legendären Tiroler Wirtshäuser: den Wilden Mann und den Isserwirt – und danach gibt’s den Abstieg über den ‚Pfaffensteig‘ nach Amras – weiter durch Innsbruck zum Dom St. Jakob und anschließend zur Jakobs-Herberge im Löwenhaus.

Streckenlänge: offizieller Weg 22,5 km; via Lans 28,5 km; Dauer: 7 Std., / 8,5 Std.

Vor dieser Etappe steht eine grundsätzliche Entscheidung an: Pilgern auf der Römerstraße oder auf der offiziellen Jakobsweg-Trasse, also auf wunderschönen Waldwegen nach allerdings ordentlichem Anstieg?

Vorteil der Römerstraße: sie ist jene alte Trasse, die von Pilger_innen immer benützt worden ist. Nachteil der Römerstraße: Pilgern auf Teer; Verkehr, wenngleich nicht allzu heftig.

Der Vorteil der offiziellen Trasse des Tiroler Jakobsweges: Teils unglaubliche Landschaftseindrücke hoch über dem Wipptal. Fantastische Fernsicht bei schönem Wetter. Nachteil der offiziellen Trasse: Längerer Aufstieg und dann Pilgern durch Gebiete, in denen dutzende Neubauten errichtet worden sind, deren Architektur die Augen teils massiv beleidigt. Für mich ist es völlig unbegreiflich, wie derart grottenschlechte Architektur von der Gemeinde Ellbögen überhaupt genehmigt werden konnte. Ich stelle hier kein Bild der visuell verheerenden Verunzierungen ins Netz um den Pilger_innen nicht die Lust am Pilgern zu vergällen. Mir ist es beim Betrachten dieser – teils in schlichtem Schuhschachtel-Design gehaltenen – Häuser ganz so vorgekommen, als ob sich deren Erbauer selbst ein Denkmal ihrer Geschmack- und Ideenlosigkeit gesetzt hätten. Mir fehlen eigentlich nur noch die Gartenzwerge und die Worte.

Die Etappe von Pfons nach Innsbruck bietet einige spektakuläre Ausblicke.

Die Etappe von Pfons nach Innsbruck bietet einige spektakuläre Ausblicke.

Dennoch verbleibt auf dieser Jakobsweg-Trasse ein Trost: es gibt auch schöne, alte Bauernhöfe am Weg die das Auge erfreuen und die es Wert sind, betrachtet zu werden. Und trotz aller Neubauten ist es ein einzigartiger Spaziergang im Anblick schneebedeckter Berge, grüner Wiesen und rauschenden Wildbächen.  Dies ist also ein Etappenbericht, der die offizielle Trasse schildert.

Das Wipptal liegt dem erstauten Pilger / der entzückten Pilgerin sozusagen zu Füßen.

Das Wipptal liegt dem erstauten Pilger / der entzückten Pilgerin quasi zu Füßen.

Von Pfons aus führt die offizielle Trasse des Weges zuerst rund 1 Stunde bergan. Wenn man aber einmal die Höhe erreicht hat, geht es quasi flach dahin. Eine wunderschön entspannte Pilgerfahrt beginnt.

Mein Tipp: Etwa 1,5 l Wasser mitnehmen, denn auf dieser Bergetappe gibt es rund 2 Stunden keinen Brunnen, dem ich getraut hätte.

Der Weg hoch über dem Wipptal inmitten eines absolut unvergleichlichen Bergpanoramas

Der offizielle Jakobsweg hoch über dem Wipptal inmitten eines absolut unvergleichlichen Bergpanoramas

Solche Bilder sind auf dieser Etappe außergewöhnlich selten. Dieser renovierte alte Bauernhof zeigt, wie demütig sich Gebäude früher der Landschaft angepasst hatten.

Solche Bilder sind auf dieser Etappe außergewöhnlich selten. Aber es gibt sie noch. Immerhin. Dieser renovierte alte Bauernhof zeigt, wie demütig sich Gebäude früher der Landschaft angepasst hatten.

Eine Hof-Kapelle in Oberellbögen. Das Ensemble dieser Bauernhäuser ist teils noch original, wie die Fassade des Bauernhauses samt Inschrift unten

Eine Hof-Kapelle in Oberellbögen.

So hatten die Fassaden vieler Tiroler Bauernhöfe früher ausgesehen. Teils mit Inschriften versehen.

So hatten die Fassaden vieler Tiroler Bauernhöfe früher ausgesehen. Teils mit Inschriften versehen. Beachtenswert ist vor allem die grüne Eingangstüre. Unmittelbar daneben der ehemalige Eingang zum Stall.

Die Lage dieses Bauernhauses ist einzigartig. Er ist einer jener 'letzten Mohikaner', die den Kahlschlag unter den alten Bauernhäuser überlebt haben.

Die Lage dieses Bauernhauses ist einzigartig. Er ist einer jener ‚letzten Mohikaner‘, die den Kahlschlag unter den alten Bauernhäuser überlebt haben.

Die Gemeinde Ellbögen besteht aus insgesamt acht Weilern, die alle teils kilometerweit verstreut an den Abhängen des Patscherkofels situiert sind. Lediglich der Kernbereich, das sind St. Peter und Mühltal haben die alte Römerstraße ‚im Griff‘. Hier erahnt man noch, welche Funktion diese Verbindung hatte.

Der Weiler Mühltal der Gemeinde Ellbögen. Im Vordergrund: die uralte Trasse der Römerstraße, die in den Hang eingelassen worden ist. Und in Mühltal gibt es auch noch Belege, wie die Menschen damals von der Straße gelebt haben...

Der Weiler Mühltal der Gemeinde Ellbögen. Im Vordergrund: die uralte Trasse der Römerstraße, die in den Hang eingelassen worden ist. Und in Mühltal gibt es auch noch Belege, wie die Menschen damals von der Straße gelebt haben…

Dieses Hausfresko ist ein Hinweis darauf, welche Handwerker an der alten Römer- bzw. Salzstraße gefragt waren.

Dieses Hausfresko ist ein Hinweis darauf, welche Handwerker an der alten Römer- bzw. Salzstraße gefragt waren. Die Inschrift ist quasi der Beleg dafür, dass in diesem Hause ein Schmied seinem Handwerk nachgehen durfte.

Ein alter Tordurchgang an der Römerstraße

Ein alter Tordurchgang an der Römerstraße. Durch dieses Tor würde der ‚offizielle‘ Jakobsweg weiterführen, wovor ich aber abrate.

Durch dieses Tor würde der ‚offizielle Jakobsweg‘ weiterführen. Er befindet sich in Mühlbach, einem kleinen Weiler, in dem es auch wieder einen Brunnen und ein Lebensmittelgeschäft gibt. Und einen Larvenschnitzer.

Ich rate allen Pilger_innen dringend davon ab. Erstens geht es zuerst massiv bergab und dann wieder bergauf. Für mich ist die Trassenführung hier absolut nicht erklärbar. Allerdings: wer auf der Straße weiterpilgert, muss bis Patsch auf rund 4 km doch mit einigem Verkehr rechnen. Aber auf der linken Straßenseite ist schon eine Art Pfad ‚ausgetrampelt‘. Also steht der Benützung der historischen Römer- und Salzstraße zumindest bis Patsch nichts mehr im Wege.

Wer es gruselig liebt: in Ellbögen schlendert man am Atelier eines 'Larvenschnitzers' vorbei. Hier entstehen jene gruseligen Masken, die den Tiroler_innen helfen, den Winter auszutreiben.

Statt sich über Stock und Stein der offiziellen Trasse des Jakobsweges entlang zu quälen lieber einen Atelierbesuch beim Larvenschnitzer Danler im Zentrum des Weilers Mühlbach machen.  Vor allem Pilger_innen, die es gruselig lieben werden begeistert sein. Hier entstehen jene wilden Masken, die den Tiroler_innen Jahr für Jahr dazu dienen, den Winter auszutreiben.

Apropos Römerstraße. Schon von fern erblicken Pilgersfrau und Pilgersmann die Kirche von Patsch und ein großes, daneben liebendes Gebäude. Kirche und Schenke tragen denselben Namen: St. Peter. Irgendwie lustig.

In Ellbögen huldigen Schenke und Kapelle demselben Schutzheiligen: St. Peter.

In Ellbögen huldigen Schenke und Kapelle demselben Schutzheiligen: St. Peter.

Nach Ellbögen weitet sich der Blick. Das Tiroler Oberland zeigt sich den verschwitzen Pilgersleuten ebenso wie die gesamte Kette der Berge nördlich von Innsbruck, also der Nordkette. Am Ortsausgang von Patsch geht der offizielle Weg links unten über die Wiesen weiter, während ich noch auf der alten Straße bleibe und erst beim Grünwalderhof, einem der drei legendären Wirtshäuser dieser Gegend, eine kurze Rast einlege.

Von der Terrasse des direkt an der Salz- und Römerstraße gelegenen Grünwalderhofes blickt man tief ins Stubaital. Der vielleicht schönste Blick überhaupt.

Von der Terrasse des direkt an der Salz- und Römerstraße gelegenen Grünwalderhofes blickt man tief ins Stubaital. Der vielleicht schönste Blick überhaupt.

Vom Grünwalderhof geht es dann auf der Salzstraße weiter, die sich rund 300 m nach dem Gasthof teilt. Ich gehe jetzt rechts in Richtung Lans. Denn dort gibt es zwei weitere Legenden Tiroler Wirtshauskultur: den Wilden Mann und den Isserwirt. Ich habe den drei Wirtshäusern einen Blogartikel gewidmet, den ihr hier findet. Aber nicht nur deswegen schlendere ich auf dieser Straße. Es ist die vielleicht schönste Aussicht auf die Nordkette, die mich reizt und die einem Pilger geboten werden kann.

So schön ist Pilgern auf dem Tiroler Jakobsweg.

So schön ist Pilgern auf dem Tiroler Jakobsweg.

Die beiden Lanser Wirtshaus-Legenden auf 100 m: der Wilde Mann und der Isserwirt (im Hintergrund)

Die beiden Lanser Wirtshaus-Legenden auf 100 m: der Wilde Mann und der Isserwirt (im Hintergrund)

Nun geht es aber nach Innsbruck. Wir gehen zuerst nach Aldrans – wieder auf der Straße – wo auch Wasser nachgefüllt werden kann. Und dann geht der Weg rechts ab in’s ‚Gebüsch‘: der Pfaffenweg harrt der Pilger_innen, die da kommen.

Ein ungewöhnlicher Blick auf eines der schönsten Schlösser Tirols: Schloss Ambras.

Ein ungewöhnlicher Blick auf eines der schönsten Schlösser Tirols: Schloss Ambras. Im Hintergrund: das Olympiazentrum.

Ungewöhnliche Aussichten prägen diesen Abstieg. Einerseits das berühmte Schloss Ambras, andererseits Innsbruck, die ‚Hauptstadt‘ der Alpen. Wer nun aber des Pilgerns müde ist: am Ende des Abstieges gibt es eine Busstation, die die Pilger_innen direkt ins Stadtzentrum bringt. Zum Dom zu St. Jakob.

Der Dom ist nicht zufällig dem Hl. Jakobus geweiht. Innsbruck war im Mittelalter ein richtiges Pilgerzentrum. Eine Tradition, die erst wiedergefunden werden will...

Der Dom ist nicht zufällig dem Hl. Jakobus geweiht. Innsbruck war im Mittelalter ein richtiges Pilgerzentrum. Eine Tradition, die erst wiedergefunden werden will…

 

Wichtige Links für die Etappe von Pfons nach Innsbruck

Streckendaten und Wegverlauf

Herbergen zwischen Pfons und Innsbruck, Herbergen in Innsbruck

Ortsbeschreibungen Ellbögen

Ortsbeschreibung Patsch

Ortsbeschreibung Lans (in Arbeit)

Stadtbeschreibung Innsbruck (in Arbeit)

Beschreibung: Der Dom zu St. Jakob in Innsbruck

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