Ellbögen

Weitläufig. So bezeichnet Wikipedia die Gemeinde Ellbögen. Jakobspilger_innen werden dies, von Pfons kommend, gerne bestätigen. Ellbögen eine Streusiedlung zu nennen scheint mir sogar noch untertrieben.

Hennenboden, Tarzens, St. Peter, Mühltal, Niederstraße, Oberellbögen, Innerellbögen und Erlach. So heißen die acht Weiler die sich unter dem Markennamen Ellbögen vereinigen. Das eigentliche Ortszentrum dürfte wohl die Kirche von St. Peter samt dem gleichnamigen Gasthof sein. Das Ensemble ist ja auch von allen Seiten her aus großer Entfernung schon zu sehen.

Das Peterskirchlein in Ellögen

Das Peterskirchlein in Ellögen sieht der weitsichtige Pilger / die mit Fernglas ausgerüstete Pilgerin schon von Weitem, konkret von Pfons aus.

Wie kommt so ein Ortsname zustande? Der Pilger bleibt ratlos.

Wie kommt so ein Ortsname zustande? Der Pilger bleibt ratlos. Ist ‚Hahnentritt‘ die Entsprechung dazu?

Dort, wo heute die Kirche steht, dürfte bereits eine illyrische Siedlung bestanden haben. Jedenfalls war die Gegend von Ellbögen schon in prähistorischer Zeit bei den Menschen äußerst beliebt. Und es dürfte damals den Ureinwohnern auch nicht gerade gegen den Strich gegangen sein, als die Römer ihre Verbindungsstraße vom Brenner nach Innsbruck – besser gesagt nach Wilten – mitten durch das heutige Ellbögen bauten. Schon damals galt: viel Verkehr, viel Geld.

Der Blick von Ellbögen zurück in Richtung Brennerpass.

Der Blick von Ellbögen zurück in Richtung Brennerpass. Auf dem Bild sieht man auch die Römerstraße, die sich entlang der hier sanften Hügel des Wipptales schlängelt.

Majestätisch türmen sich die Berge auf drei Seiten um Ellbögen herum auf.

Majestätisch türmen sich die Berge auf drei Seiten um Ellbögen herum auf.

Würde in Ellbögen nicht die totale architektonische Verwirrung herrschen, das Streudorf wäre eine Perle. Das sagen sich vermutlich immer mehr Menschen aus dem Großraum Innsbruck. Denn die Bodenpreise schießen auch im Umland durch die Decke, also werden jetzt eben die entfernteren Gegenden ‚besiedelt‘. Und wie! Ellbögen ist ein übles Beispiel dafür, wie eine Gegend flächendecken verschandelt werden kann. Durch hässlich-dilletantische Bauten wie ich sie selten so konzentriert gesehen habe. Ich veröffentliche hier doch noch ein Bild dieser babylonischen Geschmacklosigkeit, jene Schuhschachtel, die ich bereits in der Etappenbeschreibung zitiert hatte. Eigentlich wollte ich dies meinen Leser_innen ersparen:

Was mir in Ellbögen aufgefallen ist: die überaus starke Konzentration von unglaublich 'schiachn' Häusern. Wie diese Schuhschachtel, die vermutlich ihresgleichen sucht.

Diese Schuhschachtel, in den Frotfarben grau/schwarz, ist für mich ein Symbol absoluter Geschmacklosigkeit. Ein Ausdruck der Denkhaltung des Bauherren. Unfassbar, dass eine Baubehörde dazu die Genehmigung gab. Sollte dieser Kubus von einem professionellen Architekten geplant worden sein: er soll in’s letzte Loch kriechen und den Befähigungsnachweis ruhend stellen.

In Ellbögen fehlt es aber nicht an lustigen Details. Eines dieser lustigen und auch schönen Details ist das Larvernschnitz-Atelier des Meisters Norbert Danler. Handgefertigte Tiroler Perchtenmasken, das ist schon was. Und wenn wir schon von Kunsthandwerk sprechen. In Ellbögen habe ich auch eine der ganz wenigen impressionistischen Fassadenfresken entdeckt samt dem zugehörigen Wahlspruch. Der passt zwar nicht ganz, ist aber sicher gut gemeint.

Der Larvenschnitzer vor seinem Atelier: Norbert Danler aus Ellbögen.

Der Larvenschnitzer vor seinem Atelier: Norbert Danler aus Ellbögen.

"Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß". Schiller meinte zwar nicht die Bauersleute, aber macht nix. Die schwitzten früher auch sehr.

„Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß“. Schiller meinte zwar nicht die Bauersleute, aber macht nix. Die schwitzten früher auch sehr.

Ein alter Bauernhof mit berühmtem Hintergrund, dem Patscherkofel.

Ein alter Bauernhof, der Herrenhof, mit berühmtem Hintergrund, dem Patscherkofel.

Es nützt den Toten nichts mehr aber: die Aussicht vom Friedhof der Kirche St. Peter aus ist schon sehr schön.

Es nützt den Toten nichts mehr aber: die Aussicht vom Friedhof der Kirche St. Peter aus ist schon sehr schön.

Und das bietet Ellbögen den Pilger_innen:

Trinkwasserbrunnen, Bank und Bankomat, Einkaufsmöglichkeiten, öffentliche Toilette.

 

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Ein Gedanke zu “Ellbögen

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