Patsch – der Logensitz ob Innsbruck

Ganz abgesehen davon, dass einer der berühmtesten Tiroler Berge dem Namen huldigt: Das liebliche Dörfchen Patsch wurde ob seiner außergewöhnlichen Lage von Menschen schon immer geschätzt.

Die ganz besondere Lage dieser Gemeinde übte bereits auf die Menschen in prähistorischer Zeit einen starken Reiz aus. Kein Wunder: Südlich von Patsch strebt die Serles wie eine Pyramide gen Himmel, westlich davon geht der Blick bis zum Stubaitaler Gletscher und dem Zuckerhütl. Nördlich von Patsch dann eine einzigartige Ansammlung von Bergen, Nordkette genannt. Deshalb ist es auch wenig verwunderlich, dass nördlich des Dorfzentrums eine der größten Tiroler Kultstätten ausgegraben worden ist: der Goldbichl. Hier bestand in prähistorischer Zeit über mehrere Jahrhunderte hinweg ein Brandopferplatz dessen Feuer so hoch und heiß loderten, dass selbst Steine schmolzen.

Hier befand sich einer der größten prähistorischen Kultstätten Tirols: der ehemalige Brandopferplatz am Goldbichl bei Patsch.

Hier befand sich einer der größten prähistorischen Kultstätten Tirols: der ehemalige Brandopferplatz am Goldbichl bei Patsch.

Vom Brandopferplatz aus erschienen die Berge wie Götter, oder Göttinnen.

Vom Brandopferplatz am Goldbichl aus erschienen die Berge wie Götter, oder Göttinnen. Links die Serles, in der Bildmitte die Stubaier Alpen mit ihrer höchsten Erhebung, dem Zuckerhütl.

Die große Zeit dieses Örtchens begann aber mit dem Einfall der Römer in Tirol 15 v. Chr. Denn das Imperium verband seine Eroberungen sogleich mit den besten Verkehrswegen der Antike. Wie gut die Römerstraßen waren bewies einige Jahrhunderte später die ‚Salzstraße‘, die auf der Trasser der alten Römerstraße von Hall nach Matrei am Brenner verlief. Und wieder profitierten die damaligen Patscher.

Der schlanke, wunderschöne Kirchturm der Patscher Pfarrkirche St. Donatum vor der ebenso schönen Spitze der Serles.

Der schlanke, wunderschöne Kirchturm der Patscher Pfarrkirche St. Donatum vor der ebenso schönen Spitze der Serles.

Der im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubende Blick vom Jakobsweg in Patsch auf die Nordkette.

Der im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubende Blick vom Jakobsweg in Patsch auf die Nordkette.

Heute ist Patsch zu einem der beliebtesten Wohngegenden im Großraum Innsbruck geworden. Aber auch hier sieht man die Verwirrungen und die Verirrungen der sogenannten modernen Architektur.

Ein historisches Posthörnchen im Grünwalderhof.

Ein historisches Posthörnchen im Grünwalderhof.

Was die Labstationen in Patsch anlangt, da gibt es gleich zwei historisch bedeutsame Wirtshäuser: den Bärenwirt und den Gründwalderhof. Der Grünwalderhof wird urkundlich schon 1500 genannt und später von jenen von Thurn und Taxis als Ansitz gekauft. Diese Familie hatte für die Fugger und damit auch für Kaiser Maximilian die ersten Postverbindungen aufgebaut. Interessant ist, dass der Grünwalderhof noch heute  im Besitz der Adelsfamilie ist.

Von der Terrasse dieses uralten Hofes aus – der diente in Zeiten der Salzstraße und Postkutschen sicher auch als Pferdewechselstation – hat man den wohl schönsten Blick auf das Stubaital, den ich euch nicht vorenthalten will.

Von der Terrasse des direkt an der Salz- und Römerstraße gelegenen Grünwalderhofes blickt man tief ins Stubaital. Der vielleicht schönste Blick überhaupt.

Von der Terrasse des direkt an der Salz- und Römerstraße gelegenen Grünwalderhofes blickt man tief ins Stubaital. Der vielleicht schönste Blick überhaupt.

Und dann gibt es noch den Bärenwirt, jenes nahezu riesige Gebäude im Dorfzentrum von Patsch. Hier kann man leicht nachvollziehen, wie die mit Salz beladenen Karren vor der Türe standen während sich die Fuhrwerker in den Stuben des Hauses stärkten. Belegt ist auch eine indirekte Involvierung des Hauses in die Freiheitskriege der Tiroler im Jahre 1809. Denn hierher zog sich Andreas Hofer zurück, um in aller Heimlichkeit mit seinen Schützenhauptleuten die Taktik gegen Napoleon am Berg Isel zu besprechen. Wie der Tiroler Freiheitsheld überhaupt alle berühmten Gasthöfe dieser Gegend benützte, um seine Insurgententruppe auf Vordermann zu bringen. So auch den Isserhof in Lans, den ich unter der Gemeindebeschreibung Lans vorstellen werde.

Ein massiges Gebäude: der Bärenwirt in Patsch.

Ein massiges Gebäude: der Bärenwirt in Patsch.

Und das bietet Patsch den Pilger_innen:

Trinkwasserbrunnen, Bank und Bankomat, Arzt, Einkaufsmöglichkeiten, öffentliche Toilette.

 

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Ein Gedanke zu “Patsch – der Logensitz ob Innsbruck

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