Der Dom zu St. Jakob in Innsbruck

In Tirol ist eine Tatsache in Vergessenheit geraten: der Dom zu St. Jakob in Innsbruck war über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Anlauf-Station für Pilger_innen auf dem Weg nach Santiago. Später war es das Altarbild ‚Mariahilf‘, die Madonna mit Kind von Lucas Cranach, das für  riesige Pilgerströme sorgte. Aber in Innsbruck deutet heute nichts mehr auf die große Vergangenheit als Pilgerzentrum hin. Nicht einmal eine Minimal-Herberge für Jakobspilger_innen im Stadtzentrum. Eigentlich ein Trauerspiel.

Die silberne Büste des Hl. Jakob im Dom zu Innsbruck

Die silberne Büste des Hl. Jakob im Dom zu Innsbruck

Es ist ein Armutszeugnis, da kann man die derzeitige Situation drehen und wenden wie man will: Innsbruck hat als Pilgerstadt völlig abgedankt. In der Innenstadt gibt es – trotz des massiven Anstieges der Zahl von Jakobspilger_innen – bis heute nicht einen einzigen kirchlichen Raum, in dem diese Pilger_innen eine Herberge finden könnten. Und das, obwohl kirchliche (katholische) Räumlichkeiten en masse zur Verfügung stünden. Will man die Pilger nicht in der Innenstadt? Lassen sie zuwenig Geld liegen? Oder will man die ‚Billigtouristen‘ erst gar nicht zum Dom locken?

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So haben ihn die mittelalterlichen Pilger_innen gesehen. Der gotische Dom zu St. Jakob (8) in einem zeitgenössischen Stich aus dem 15. Jahrhundert. 

Dankenswerterweise haben sich Privatpersonen und auch gewerbliche Vermieter aufgerafft, etwas günstigere Unterkünfte für Pilger_innen anzubieten. Ihr findet sie in er Herbergsliste unter „Pilgerherbergen in Innsbruck“.

Bleibt den Pilger_innen also nur übrig, den Dom von St. Jakob aufzusuchen. Was nur sehr wenige Besucher des Doms des  Hl. Jakob in Innsbruck bemerken: die vielen Darstellungen des Hl. Jakob in den Freskenmalereien. Frau Dr. Monika Frenzel, die renommierte Innsbrucker Stadtführerin hat mich auch diese Tatsache aufmerksam gemacht. Und mit meiner – von Swarovski-Optik zur Verfügung gestellten digiscope-Ausrüstung – ist es mir gelungen, einige dieser Jakobs-Fresken zu fotografieren.

Jakob, quasi als Zivilist auf einem Fresko im Dom zu Innsbruck

Jakob, quasi als Zivilist auf einem Fresko im Dom zu Innsbruck

Die Geschichte der Jakobsverehrung in Innsbruck ist ziemlich alt. Die erste Datierung einer Jakobskirche in Innsbruck stammt aus dem Jahre 1270. Damals wurde eine St. Jakobskirche urkundlich erwähnt. Die Fresken mit der Darstellung von Jakob stammen allerdings von Anfang des 18. Jahrhunderts und wurden anlässlich des Neubaues des Domes von Cosmas Damian Asam ausgeführt.

Der Heilige Jakob als 'Maurentöter'. Diesen Blödsinn haben die Maler in Mitteleuropa von den Spaniern übernommen.

Der Heilige Jakob als ‚Maurentöter‘. Diesen Blödsinn haben die Maler in Mitteleuropa von den Spaniern übernommen. Demnach soll der spanische Nationalheilige zugunsten der Christen in der Schlacht von Clavijo von 844 eingegriffen haben. Da wurde – auch seitens der Kirche – gelogen, dass die Schwarten krachten.

Für riesige Pilgermengen sorgte ab 1650 in Innsbruck das berühmte Gnadenbild Mariahilf von Lucas Cranach dem Älteren. Irgendwie hatten die Innsbrucker_innen immer schon ein gutes Händchen für den Tourismus, mag man sich dabei denken. Aber dieses Cranach-Bild wurde in Innsbruck tatsächlich tief verehrt. Das zeigt sich in dutzenden Abbildungen auf Häusern in der Innsbrucker Altstadt. Allein im Kernbereich der Herzog Friedrich-Straße kann man 11 ‚Kopien‘ des Cranach-Gemäldes zählen.

Im Zentrum der Verehrung stand ab 1650 das Bild 'Mariahilf' von Lucas Cranach.

Im Zentrum der Verehrung stand ab 1650 das Bild ‚Mariahilf‘ von Lucas Cranach.

Erwähnenswert ist, dass die Jakobsgemeinschaft Tirol am Domplatz residiert. Wer also einen Pilgerpass benötigt, kann sich an die Gemeinschaft wenden:

Propstei und Dompfarre St. Jakob – Jakobsgemeinschaft, Domplatz 6, 6020 Innsbruck. Telefon: 0512/583 902; e-Mail: jakobsgemeinschaft.tirol@dibk.at

 

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Ein Gedanke zu “Der Dom zu St. Jakob in Innsbruck

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