11. Etappe: Von Zams nach Flirsch

Strecke Zams - Flirsch

Diese Etappe führt auf ein sonniges Hochplateau, das die Römer bereits geschätzt hatten – Stanz, ein ‚Zwetschkendorf‘ mit 150 Haushalten und 64 (!) Destillen – vorbei am Geburtshaus eines genialen Barockbaumeisters – dann weiter nach Grins, dem vielleicht schönsten Dörfchen im Westen Tirols – kurze Rast beim Dorfbrunnen aus dem pures Heilwasser fließt – über die alte Römerstraße weiter zur Lärchenkapelle und durch Wald und Flur nach Flirsch, dem einstigen Marmor- und Lodendorf Tirols mit einer feinen Herberge (s. unten). Nur noch eine Etappe bis zum Arlberg!

Streckenlänge: ca. 18 km; Dauer: ca. 6 Stunden

Diese Etappe beginnt mit einem wunderschönen Spaziergang in Zams am Inn. Gleich nach dem Überqueren des Flusses geht es – gut beschildert – in Richtung Aufstieg durch den Wald nach Stanz, dem Zwetschkendorf Tirols. Es ist ratsam, bei schönem Wetter sehr früh zu starten. Denn an diesem Hang kann’s temeraturmäßig schon heftig werden. Aber dann erfreuen saftig grüne Wiesen – zumindest im Frühling und Frühsommer – das Herz der Pilger_innen.

Entlang des grünen Inn geht es von Zams zum Anstieg nach Stanz.

Entlang des grünen Inn geht es von Zams zum Anstieg nach Stanz.

Vorbei am wunderschön renovierten Geburtshaus des Architekten des Stiftes Melk, Jakob Prandtauer, durchquert man den Ort mit seinen – vermutlich – dutzenden Brunnen. Diese sind nicht etwa zur Zierde errichtet worden. Noch vor 100 Jahren waren dies die Viehtränken eines Bauerndorfes. Je mehr Brunnen, so die Faustregel, desto mehr Bauern und Vieh lebten in diesem Ort. Also: Stanz war offenbar ein florierendes Bauerndorf mit Viehzucht. Aber Wasser ist ja nicht nur zum Trinken und Waschen da: damit wird in Stanz vor allem Hochprozentiges destilliert. Das Dorf ist als ‚Brennereidorf‚ bekannt. Von 150 Haushalten wird in 64 Haushalten aus der Zwetschke ein Edelbrand geformt, der sich über regen Zuspruch nicht beklagen kann.

Nach dem Aufstieg empfängt Stanz die Pilger_innen mit saftig grünen Wiesen und einem wunderbaren Panorama.

Nach dem Aufstieg empfängt Stanz die Pilger_innen mit saftig grünen Wiesen und einem wunderbaren Panorama.

In diesem Haus wurde einer der berühmtesten Barock-Architekten Österreichs geboren: Jakob Prandtauer, der Erbauer von Stift Melk.

In diesem Haus in Stanz wurde einer der berühmtesten Barock-Architekten Österreichs geboren: Jakob Prandtauer, der Erbauer von Stift Melk. Seine Nachfahren huldigen wie viele andere in Stanz auch dem Schnapsbrennen. Das Produkt ist ein ganz wunderbares, sehr empfehlenswertes Destillat aus der Zwetschke.

Einer der vielen Brunnen von Stanz.

Einer der vielen Brunnen von Stanz.

Am Ortsende von Stanz hat man das nächste Ziel vor Augen: Grins, das zweite Dorf auf diesem Hochplateau. Und die Strecke zwischen Stanz und Grins gehört zu den schönsten des Tiroler Jakobsweges. (Bei gutem Wetter, das soll nicht verschwiegen werden.)

In der Entfernung schon zu sehen: Grins, das wunderschöne Dörfchen.

In der Entfernung schon zu sehen: Grins, das wunderschöne Dörfchen. Eine der schönsten Teilstrecken auf dem Tiroler Jakobsweg.

Das heute ruhig und romantisch gelegene Grins war einst eine wichtige Station auf dem Weg zum oder vom Arlberg. Bereits für die Römer dürfte es ein militärischer Stützpunkt gewesen sein. Funde belegen jedenfalls, dass sie das Gebiet sehr geschätzt hatten. Die Brücke über eine Schlucht wird deshalb auch Römerbrücke genannt, weil hier vermutlich schon sehr lange eine Brücke existierte.

Die mächtige 'Römerbrücke' in Grins überquert den tief unter ihr dahinfließenden Mühlbach.

Die mächtige ‚Römerbrücke‘, eine gotische Spitzbogenbrücke in Grins überquert den tief unter ihr dahinfließenden Mühlbach.

Interessant ist auch die Tatsache, weshalb Grins heute noch über einen wunderschönen Ortskern verfügt. Kurz nach Ende des II. Weltkrieges, am 25. November 1945 brannte das ganze Dorf – mit Ausnahme der Römerbrücke – ab. Beim anschließenden Wiederaufbau wollten die Bewohner das alte Aussehen des Ortes wieder herstellen. Und genau deshalb ist der Ortskern so liebenswürdig geblieben und von ,moderner‘ Architektur weitgehend verschont worden. Und noch etwas macht Grins so attraktiv: die Heilquelle, die seit dem Mittelalter sehr geschätzt wird. Aus einem Brunnen beim Gemeindeamt kann jedermann und jedefrau Wasser entnehmen. Die genaue Beschreibung seiner Zusammensetzung verrate ich in der Gemeindebeschreibung unter ‚Gemeinden am Jakobsweg‚. 

Kurz nach dem 2. Weltkrieg brannte Grins 'bis auf die Grundmauern' ab.

Kurz nach dem 2. Weltkrieg brannte Grins ‚bis auf die Grundmauern‘ ab.

Grins ist ein zauberhaftes Dörfchen geblieben.

Grins, 1945 nach einem Dorfbrand neu aufgebaut, ist ein überaus zauberhaftes Dörfchen geblieben.

Aus diesem Dorfbrunnen in Grins fließt das berühmte Heilwasser. Zur freien Entnahme!

Aus diesem Dorfbrunnen in Grins fließt das berühmte Heilwasser. Zur freien Entnahme!

Nach Grins geht es dann leicht ans ‚Eingemachte‘: der Weg zur ‚Lärchenkapelle‚ ist schön aber bisweilen steil. Durch wunderbare Wälder geht es dann nach Strengen, einer wahrhaftigen Streusiedlung. Hier scheint es, als ob ein Riese die Häuser über die Hänge geworfen hätte. Teils im sattsam berüchtigten ‚Architekturstil‘. Naja.

Die Landschaft des Hochplateaus ist einmalig und wunderschön.

Die Landschaft des Hochplateaus ist einmalig und wunderschön.

Ein uralter Bauernhof über Strengen. Der Ausblick: phantastisch.

Ein uralter Bauernhof über Strengen. Der Ausblick: phantastisch.

Nach einer weiteren Stunde erreicht der solide Pilgersmann / die frohlockende Pilgerin Flirsch.

Der Tiroler Jakobsweg oberhalb von Flirsch. Der Arlberg ist in Griffweite gerückt.

Der Tiroler Jakobsweg oberhalb von Flirsch. Der Arlberg ist in Griffweite gerückt.

Empfehlenswerte Herberge in Flirsch:

Haus Sigrid & Otmar Wechner, Nr. 271, 6572 Flirsch. (In Richtung Bahnhof Flirsch und der Beschilderung zur Herberge folgen). Tel.: 0043 (0)5447 5780, email: kontakt@hauswechner.at web: http://www.hauswechner.atPreis pro Pilger, Ü/F € 21,–

Streckendaten und Wegverlauf

Ortsbeschreibungen Stanz

Ortsbeschreibung Grins

Ortsbeschreibung Flirsch 

Herbergen zwischen Zams und Flirsch (in Arbeit)

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2 Gedanken zu “11. Etappe: Von Zams nach Flirsch

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