Grins – mein persönliches Traumdörfchen in Tirol

Blick über Grins ins Obere Gericht

Blick über Grins ins Obere Gericht

Der fürchterliche 2. Weltkrieg war gerade zu Ende, als sich im Dörfchen Grins das größte nur denkbare Drama in historischer Zeit abspielte. Im November 1945 brannte der Ort ab. Nicht nur einige Häuser, nein, der gesamte Ort wurde vernichtet. Mit Ausnahme der berühmten gotischen Steinbogenbrücke stand nichts mehr so wie zuvor. Diese Katastrophe wurde von den Bewohnern dieses Örtchens jedoch in einen Vorteil verwandelt, der heute noch zu sehen ist: Sie bauten die abgebrannten Häuser genauso auf, wie sie vor dem Brand ausgesehen hatten. Und ‚konservierten‘ somit das urpsprüngliche Aussehen des Ortes. Das Ergebnis: Grins ist eines meiner privaten ‚Traumdörfchen‘ in Tirol.

Der Dorfkern ist heute noch richtiggehend romanisch, und damit auch romantisch. Denn die Hausformen orientieren sich stark an der im Bezirk Landeck öfters angewendeten ,rätoromanischen Bauweise‘. Stolze, teils bemalte Gebäude, wuchtig, solide; über verschachtelte Gässchen erreichbar. Und, was mir ganz besonders behagt: die Proportionen dieser Häuser stimmen ganz einfach, schmeicheln dem Auge des aufmerksamen Pilgers / der entzückten Pilgerin. Auffallend und beachtenswert: viele, teils gotische Türportale und Fensterstöcke, die beim Großbrand nicht zerstört worden sind, wurden beim Neubau wieder eingebaut.

Haus und Hof: Der Reiz dieses Örtchens liegt an den verschachtelten Gassen und den wunderschönen Bauernhäuser mit ihren kunstvoll gestalteten Holz-Ställen.

Haus und Hof: Der Reiz dieses Örtchens liegt an den verschachtelten Gassen und den wunderschönen Bauernhäuser mit ihren kunstvoll gestalteten Holz-Ställen.

Es lohnt sich, in Grins auf die Details an den Häusern zu achten. Sie wurden nach dem Brand mit großer Hingabe restauriert bzw. wieder errichtet.

Es lohnt sich, in Grins auf die Details an den Häusern zu achten. Sie wurden nach dem Brand mit großer Hingabe restauriert bzw. wieder errichtet.

Die Häuser sind unverkennbar im Rhätoromanischen Stil erbaut. Man fühlt sich in Grins in das Engadin versetzt.

Die Häuser sind unverkennbar im Rhätoromanischen Stil erbaut. Man fühlt sich in Grins in das Engadin versetzt.

Türbogen Grins

Selbst die alten Inschriften an den Häusern wurden beim Wiederaufbau wieder angebracht.

Selbst die alten Inschriften an den Häusern wurden beim Wiederaufbau wieder angebracht.

 

Grins wurde vermutlich im 2. vorchistlichen Jahrtausend von den Illyrern besiedelt, denen die Römer folgten. Zahlreiche Spuren lassen darauf schließen, dass sie diese Gegend sehr schätzten. Ob die sogenannte ,Römerbrücke‘ allerdings aus dieser Zeit stammt, ist fraglich. Aber: Diese Brücke hat indirekt auch mit dem Ortsnamen zu tun. Grins kommt vom romanischen Ausdruck für Spalte, Crines. Und die Brücke überspannt in der Tat eine tiefe Schlucht, eine richtige Spalte, in die sich der Mühlbach eingegraben hat.

Dieser Anblick bot sich vor 700 Jahren den Reisenden wenn sie vom Arlberg her nach Grins reisten.

Dieser Anblick bot sich vor 700 Jahren den Reisenden wenn sie vom Arlberg her nach Grins reisten.

Berühmt wurde Grins, als die Tiroler Herrscherin Margarethe Maultasch 1363 ihre Grafschaft den Habsburgern verkaufte. Denn nun gewann die Verbindung der Habsburgischen Vorlande – es handelte sich um das heutige Vorarlberg – und Tirol enorm an Bedeutung. Die Arlberg-Transitstrecke war geboren. Und Grins war der Knotenpunkt auf Tiroler Seite bis ins 14. Jahrhundert. Aus der einst rein bäuerlichen Gemeinde wurde quasi über Nacht eine wichtige Wegstation, die plötzlich auf der politischen Landkarte Tirols aufschien. Zumindest so lange, bis die neue Talstraße errichtet wurde und Grins ins Abseits geriet.

Aber die Tatsache, dass oberhalb des Ortes auf 1200 m Seehöhe eine Heilquelle entspringt, machte Grins im Mittelalter zu einer beliebten Kurstation. Es geht sogar die Mär, wonach sich Margarethe Maultasch im Grinner Wasser gebadet habe und darob ‚verjüngt worden sei‘. Der seit Ewigkeiten von eitlen Menschen gesuchte ‚Jungbrunnen‘? Kaum. Aber: In der 1. Republik wurde sogar ein Kurhaus erbaut, das aber aufgrund der Nazi-Erpressung mit der 1.000-Mark-Sperre nie den Dienst aufnahm. Heute ist darin das Altersheim St. Josef in Grins untergebracht.

In Grins fließt Heilwasser aus dem Dorfbrunnen. Auch deshalb, weil alle Dorfbewohner_innen per Dekret in den Genuss des Wassers kommen müssen.

In Grins fließt Heilwasser aus dem Dorfbrunnen. Auch deshalb, weil alle Dorfbewohner_innen per Dekret in den Genuss des Wassers kommen müssen.

Und erst in unseren Tagen wird der Wert der Quelle wieder neu entdeckt und neu gefasst. Der Besuch dieser Fassung mit dem Badebecken und einer unvergleichlichen Aussicht auf das umgebende Bergpanorama ist allerdings erst nach einem mehr oder minder schweißtreibenden Aufstieg möglich.

Der Tuffsteinbruch über Grins und über der Heilquelle.

Der Tuffsteinbruch über Grins und über der Heilquelle.

Heilbad auf 1.200 m Seehöhe. Die Quellfassung wurde von den Grinnern ganz wunderbar gestaltet.

Heilbad auf 1.200 m Seehöhe. Die Quellfassung wurde von den Grinnern ganz wunderbar gestaltet.

Im Quiellbecken liegend hat man einen wunderbaren Blick auf die Berge

Im Quellbecken liegend hat man einen wunderbaren Blick auf die Berge

Bei der Mineralquelle handelt es sich um eine Magnesium-Calcium-Sulfat-Mineralquelle mit einer Mineralisation von 2.535 mg/kg Wasser.

Für Trinkkuren als Zusatztherapie bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen der Leber und Gallenwege, Altersdiabetes, Gicht und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege sowie bei Darmträgheit. Und: man sollte nicht zuviel davon trinken, dann könnten Gesundheitsschäden auftreten.

Wen es interessiert: Es sind auch Badekuren möglich. Im Alpenbad Grins sind Trinkmöglichkeit und Kneippbecken ab sofort frei zugänglich. Badekuren werden nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 0676/846 909 643 entgegen genommen.

Der Turm der St. Nikolauskirche in Grins

Der Turm der St. Nikolauskirche in Grins

Malerisch ist das Kirchlein von Grins und vor allem der Friedhof, dessen Kreuze aus teilweise künstlerisch hochwertig gestalteten Schmiedeeisenkreuzen besteht. Schon 1434 wurde erstmals eine Sankt Nikolaus Kirche urkundlich erwähnt. Vom spätgotischen Erweiterungsbau von 1497 ist nur mehr der Turm erhalten geblieben.

 

Und das bietet Grins den Pilger_innen:

Trinkwasserbrunnen, Postamt, Bank und Bankomat, Arzt, Apotheke, Einkaufsmöglichkeiten, Schwimmbad und öffentliches WC.

 

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3 Gedanken zu “Grins – mein persönliches Traumdörfchen in Tirol

  1. Pingback: 11. Etappe: Von Zams nach Flirsch | Der Tiroler Jakobsweg

  2. Bitte unbedingt abändern:
    Unterkunft und Verpflegung nicht gesichert!
    Keine Einkaufsmöglichkeit
    Kein Bankomat
    Kein Arzt und Apotheke

    Finde ich sind sehr wichtige Informationen für einen pilger

    Gefällt 1 Person

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