Stanz – das Zwetschkendorf am Tiroler Jakobsweg

Das Gemeindewappen verschweigt es nobel: die Zwetschke ist das eigentliche Symbol von Stanz. Genauer: der Zwetschkenbrand. In 56 von 150 Haushalten stehen Destillen. Das ist rekordverdächtig.

Verschämt ziert die Burg Schrofenstein stattdessen das Wappen von Stanz. Eigentlich eh ok. Denn der Ort profitierte jahrhundertelang – quasi im Windschatten dieser steil aufragenden Feste segelnd – von deren strategischer Bedeutung. Immerhin konnte von Schrofenstein aus das Tal zum Reschen, zum Arlberg und nach Innsbruck übersehen und kontrolliert werden. Und das bedeutete damals klingende Münze. Zolleinnahmen und andere Abgaben wanderten allerdings vor allem in die Taschen des gierigen Adels.

Nur der Burgfried blieb erhalten: die steil aufragende Burg Schrofenstein bei Stanz.

Nur der Burgfried blieb erhalten: die steil aufragende Burg Schrofenstein bei Stanz.

Der Ausblick von Stanz ins Inntal um Zams und Landeck. Mit der Kronburg und dem pyramidenförmigen 'Heiligen Berg', dem Tschirgant.

Der Ausblick von Stanz ins Inntal um Zams und Landeck. Mit der Kronburg und dem pyramidenförmigen ‚Heiligen Berg‘, dem Tschirgant.

Zurück zur Zwetschke und um es auf den Punkt zu bringen: der Edelbrand dieser süßen Frucht ist heute der eigentliche Regent des Ortes. Rekordverdächtige 54 Destillen stehen in den insgesamt 150 Haushalten. 90 Brenner werfen jeden Herbst wieder die Brennkessel an um aus den reifen Früchten feinste Destillate zu zaubern. Und die wichtigste WebSite des Ortes nennt sich denn auch folgerichtig: brennereidorf.at.

Der erste Blick nach dem Aufstieg von Zams nach Stanz: liebliche Blumenwiesen und ein wunderbares Bergpanorama

Der erste Blick der Jakobspilger_innen nach dem Aufstieg von Zams nach Stanz: ein rasenbewachsener Jakobsweg führt durch liebliche Blumenwiesen, die von einem wunderbaren Bergpanorama umrahmt werden.

Die Sache mit den Zwetschken geht – so die Legende – sogar auf einen Heiligen zurück. Der Hl. Canisius soll im 16. Jahrhundert die ersten Zwetschkenreiser nach Stanz gebracht haben. Ein Wink des Himmels! Die sonnige Lage von Stanz förderte nicht nur den Wuchs der Bäume sondern auch den Zuckergehalt der Früchte. Und das, obwohl die Bäume eigentlich an den Feldrändern gepflanzt worden waren.

Wunderbar kaltes und reines Wasser strömt aus den vielen Brunnen in Stanz. Und: dieses Wasser ist auch die Basis für die Herstellung edler Destillate. Das sollte man keinesfalls vergessen...

Wunderbar kaltes und reines Wasser strömt aus den vielen Brunnen in Stanz. Und: dieses Wasser ist auch die Basis für die Herstellung edler Destillate. Das sollte man keinesfalls vergessen…

Im Mittelalter – so die Fama – war es nicht anders möglich, die Zwetschken zu ,lagern‘ als in Form von Schnaps. Zum Einreiben und als Medizin – so hieß die damalige, treuherzige  Begründung. Obwohl Stanz mit seinen 1.000 m Seehöhe das höchst gelegene Obstanbaugebiet Europas ist, gediehen die Früchte nicht zuletzt aufgrund der ausgeklügelten Bewässerungsanlagen schon immer zur vollsten Zufriedenheit der Stanzer. Aber wenn es um Alkohol geht, sind vor allem die Männer sehr innovativ. Um nicht zu sagen genial. Heute sind auch Dank dieses Erfindungsreichtums die Stanzer Zwetschke und die insgesamt 90 Edelbrände, die hier hergestellt werden, zu einem echten Begriff geworden.

Der Gasthof Löwen in Stanz. Hier wurde einer der berühmtesten österreichischen Barockbaumeister geboren: Jakob Prandtauer.

Der Gasthof Löwen in Stanz. Hier wurde einer der berühmtesten österreichischen Barockbaumeister geboren: Jakob Prandtauer.

Aus Stanz stammt aber auch ein berühmter Barock-Baumeister: Jakob Prandtauer. Der Sohn einer Bergbauernfamilie wurde im Gasthof „Zum Löwen“ in Stanz geboren, einem wunderschönen Haus mit Barockmalereien, direkt am Tiroler Jakobsweg gelegen. Den jungen Jakob zog es zum Maurerhandwerk und nicht zur Landwirtschaft. Nach langen Lehrjahren leitete er ab 1710 die Umgestaltung des Stiftes Melk und wurde so zu einer legendären Figur der Architekturgeschichte.

Das Werk eines in Stanz geborenen: das Stift Melk. Foto: wikipedia, Walter Hochauer

Das Stift Melk. Ein Meisterwerk des in Stanz geborenen Barockbaumeisters Jakob Prandtauer. Foto: wikipedia, Walter Hochauer

Die Verspieltheit und Lockerheit ist heute noch in Stanz zu entdecken. Auf dem Friedhof nämlich. Ich weiß, das klingt jetzt irgendwie komisch. Aber hier und in Grins sind sicherlich die schönsten Grabkreuze aus Schmiedeeisen zu bewundern, die man sich vorstellen kann. Der Friedhof in Stanz steht denn nicht umsonst unter Denkmalschutz. Genauso wie die Kirche St. Peter und Paul.

Die Pfarrkirche zum Hl. Peter und Paul in Stanz.

Die Pfarrkirche zum Hl. Peter und Paul in Stanz. Foto: wikipedia, Franz Geiger

Ein Friedhof 'de luxe' quasi: die künstlerischen Grabkreuze aus Schmiedeeisen sind einzigartig. Bild: wikipedia, Franz Geiger.

Ein Friedhof ‚de luxe‘ quasi: die künstlerischen Grabkreuze aus Schmiedeeisen sind einzigartig. Bild: wikipedia, Franz Geiger.

Und das bietet Stanz den Pilger_innen:

Trinkwasserbrunnen, Arzt

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Ein Gedanke zu “Stanz – das Zwetschkendorf am Tiroler Jakobsweg

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