Völs – hier jagte einst ein Kaiser

Völs war bei den Menschen offenbar schon vor Jahrtausenden beliebt. Funde aus der Steinzeit bis herauf ins Hochmittelalter belegen dies ziemlich eindrucksvoll. 

Dem munteren Pilgersmann und auch der forschen Pilgersfrau sticht schon weit vor dem Erreichen von Völs die barocke Kapelle auf einem ziemlich spitz zulaufenden Hügel ins Auge: die Blasius-Kapelle auf dem gleichnamigen Blasius-Berg. Kein Wunder, dass genau dieser Hügel in Völs immer schon eine zentrale Stellung eingenommen hat: Erstens sieht man von dort aus schon sehr früh etwaige anrückende Feinde – es lebt sich also oben leichter und sicherer. Und zwotens ist man in der Höhe naturgemäß dem Himmel näher.

Die Blasius-Kapelle thront quasi über Völs.

Die Blasius-Kapelle thront quasi über Völs. Aufnahmetechnik: Swarovski-digiscoping

Ein mittelalterliches Ensemble: die St. Blasius-Kapelle und der dazugehörende Pfarrhof.

Ein mittelalterliches Ensemble: die St. Blasius-Kapelle und der dazugehörende Pfarrhof.

Während der ,Fritzens-Sanzeno-Kultur‘ um das Jahr 500 v. Chr. war vermutlich – ich möchte sogar behaupten logischerweise – auf dem Blasius-Berg eine Burg für Adelige errichtet worden. Aber auch die Menschen des Hochmittelalters schätzten diesen Hügel, der steil zu Himmel strebt. Folgerichtig soll denn auch im Hochmittelalter hier eine Burg gestanden sein.

Der Blick auf Innsbruck vom St. Blasius-Bergl. Bild: Moe, wikipedia

Der Blick auf Innsbruck vom St. Blasius-Bergl. Bild: Moe, wikipedia

Die neuzeitliche Ära begann – man möchte schon sagen logo – mit einer Schenkung eines Klosters, jenes von Benediktbeuren. Mir war immer unklar, weshalb die Klöster etwas zu verschenken hatten. Jetzt weiß ich‘s: sie trieben dafür jenen ,Zins‘ ein, um ihr Leben bestreiten zu können. Aber auch, um diverses Gold- und Silberzeugs für Schatzkammer und Hochamt zu finanzieren.

In der Folge wurde ,Velles‘ logischerweise zur selbständigen Steuergemeinde und zum Gerichtssitz. Eines Ehrengastes darf sich die Gemeinde bis heute rühmen: Maximilian I. benützte die Burg Vellenberg offenbar als Ausgangspunkt diverser Jagdvergnügen im Mittelgebirge. Das begann damit, dass Herzog Sigmund, genannt der Münzreiche, Ende des 14. Jahrhunderts im heutigen Völs einen riesien Fischteich anlegen ließ, der sinnigerweise den Namen „See zu Sigmundslust“ getragen hatte. Er ist heute verlandet, nur ein kleiner Teich ist noch übrig geblieben.

Ein letzter Rest des riesigen, mittelalterlichen Fischteichs, den Sigmund der Münzreiche in Völs anlegen ließ.

Ein letzter Rest des riesigen, mittelalterlichen Fischteichs, den Sigmund der Münzreiche in Völs anlegen ließ. Der Tiroler Jakobsweg führt direkt daran vorbei.

Heute tritt Völs wesentlich profaner vor die Jakobspilger_innen. Bekannt aus Funk und Fernsehen deshalb, da die Gemeinde des Innsbrucker Speckgürtels ein riesiges Einkaufszentrums beherbergt. Aber: Völs ist auch ein beliebter Wohn- und Schlafort für Pendler_innen nach Innsbruck. Kein Wunder, dass die Marktgemeinde zu den am dichtesten besiedelten Gebieten im Großraum von Innsbruck zählt.

Und das bietet Völs den Pilger_innen:

Trinkwasserbrunnen, Postamt, Bank und Bankomat, Arzt, Apotheke, Einkaufsmöglichkeiten, Schwimmbad, öffentliches WC

Ganz aktuell: Der Bildhauer Robert Pichler hat eine Jakobs-Figur geschaffen, die auf der Völser Kunstwiese (beim Haus der Senioren in der Völser Bahnhofstraße) zu bewundern ist.

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