Unterperfuss – einst eine Fährstation am Inn

Für uns ,moderne Menschen‘ ist es kaum mehr vorstellbar: dass der Inn mit Fähren überbrückt worden ist. Unterperfuss war eine solche Fährstation.

Wer hat sich nicht schon gefragt, weshalb ein kleines, feines Schlösschen das Ortsbild von Unterperfuss ziert? Vor allem vom Zug aus wirkt es auffallend. Sein Name: Ansitz Ferklehen.

Der Ansitz Farklehen. Der Hauptsitz einer mittelalterlichen Mautstation quasi.

Der Ansitz Farklehen. Der Hauptsitz einer mittelalterlichen Mautstation quasi.

Fergen, das waren die Fährmänner. Und das Lehen war sozusagen deren Wohnsitz. Die Fährknechte schipperten jahrhundertelang Waren aller Art von Zirl (Bild ganz oben) ins heutige Unterperfuss. Und nach 1482, als die Zirler Innbrücke errichtet worden war, diversifizierten sie ihr Service. Ab sofort hoben die Herrschaften auch die Brückenmaut ein. Und machten damit – wie man sieht – allerhand Kohle. Jedenfalls wurde aus einer einfachen Fährbehausung plötzlich ein stattlicher Ansitz, der 1548 sogar zum Adelssitz erhoben. Friedrich II. kaufte das Schlössl übrigens 1573 für seine schöne Gattin Philippine Welser, die hier als Urlaubsvergnügen auf Hochwild- und Niederjagd ging.

Etwas von seiner adeligen Vergangenheit hat Unterperfuss in die Gegenwart gerettet: die Liebe zu den Pferden. Denn der Ort ist zu einer Art Reit-Mekka geworden. Ich vermute, dass hier mehr Pferde als Menschen wohnen. Denn Unterperfuss gehört in allen Belangen zu den Minigemeinden Tirols: 214 Einwohner und flächenmäßig mit 2,3 km2 auch ziemlich schwach auf der Brust.

Das zierliche Barockkirchlein zur Hl. Katharina in Unterperfuss

Das zierliche Barockkirchlein zur Hl. Katharina in Unterperfuss

Liebenswürdig ist der Dorfkern von Unterperfuss. Das Kirchlein der Hl. Katharina wird von alten Bauernhäusern flankiert. Schön und bereits einigermaßen selten ist das Bauerngärtlein vor einem großen, wunderschönen Bauernhof vis a vis der Kirche. Solche Gärtchen zierten einst den Vorplatz jedes Bauernhauses. In ihnen gediehen verschiedene Gemüse, Beerensorten und Strauchblumen für die Bienen.

Ein wunderschön-wuchtiger Tiroler Bauernhof in Unterperfuss. Samt dazugehörendem Bauerngartl.

Ein wunderschön-wuchtiger Tiroler Bauernhof in Unterperfuss. Samt dazugehörendem Bauerngartl.

Interessant an alten Tiroler Bauernhäusern ist auch die Gibelstruktur. Wie hier in Unterperfusss waren nicht selten geschnitzte Figuren, richtige ‚Giebelmonster‘ eingelassen, die ganz offensichtlich böse Geister zu vertreiben hatten. Wobei dieses Monster bereits viel von seiner Gefährlichkeit verloren haben dürfte.

Dienten zur Abwehr besonders böser Geister: die Wächterdarstellungen in der Giebelkonstruktion alter Tiroler Bauernhäuser.

Dienten zur Abwehr besonders böser Geister: die Wächterdarstellungen in der Giebelkonstruktion alter Tiroler Bauernhäuser.

Und das bietet Unterperfuss den Pilger_innen:

Trinkwasserbrunnen, Postamt, Bank und Bankomat.

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