Inzing – der Ort des Tränenwunders

Inzing ist als Station auf dem Tiroler Jakobsweg geradezu prädestiniert. Hier fand 1685 ein „Tränenwunder“ statt das allerdings in Vergessenheit geraten ist.

Ein Tränenwunder! Damit hätte sich Inzing auf dem Spanischen Jakobsweg, dem Camino Francès, schon längst einen Fixplatz bei den Pilger_innen erobert. Mit Basilika, Pomp, Trara und allerlei geldbringendem Devotionalenplunder. Aber offenbar sind die Tiroler_innen eher Wunder-Resistent. Nicht einmal mehr die Kapelle steht, in der das weinende Bild der Madonna mit dem Kind gehangen ist. Um was ist es vor 330 Jahren eigentlich gegangen?

Der Gassner-Hof, Schauplatz des Tränenwunders ist heute ein wunderschönes, sorgfältig renoviertes Bauernhaus.

Der Gassner-Hof, Schauplatz des Tränenwunders ist heute ein wunderschönes, sorgfältig renoviertes Bauernhaus.

Leopold Gassler, Besitzer eines stattlichen Bauernhofes im Ortszentrum von Inzing, (s. Bild oben) fand in einer Kammer ein weinendes Muttergottesbild. Er trocknete es, aber die Tränen rannen weiter. Auch an der Wand hängend weinte das Bild. Eine „Besessene“ (!) orakelte, es müsse nach Kaltenbrunn ins Kaunertal in die dortige Wallfahrtskirche gebracht werden. Dort wollte man es aber nicht und brachte es schon am nächsten Tag wieder nach Inzing zurück um es in einer eigens dafür zu erbauenden Kapelle aufzuhängen.

Und sofort nach deren Fertigstellung entwickelte sich eine rege Wallfahrtstätigkeit, die nicht unbeträchtliche Geldmittel in die Kassen der Kirche spülte. Die Pilgerströme dürften dann aber nachgelassen haben. Nur die jeweiligen Jahrhundertfeiern des Tränenwunders waren wieder – glaubt man den Chroniken – mit riesigen Festivitäten verbunden. Näheres enthüllt die wunderbare Web Site sagen.at.

Pfarrer Andreas in der Herbergsküche

Pfarrer Andreas in der Herbergsküche

Wesentlich weltlicher präsentiert sich die Pfarrgemeinde Inzing heute. Unter der Federführung des allseits bekannten und beliebten Pfarrers Andreas Tausch wurde auch eine ganz wunderbare Herberge für die Jakobspilger eingerichtet. Das war für die Inzinger genauso selbstverständlich, wie das Pfarrhaus für Flüchtlinge und Asylanten zu öffnen. Die Pfarre Inzing ist ganz sicher ein leuchtendes Beispiel dafür, wie wir in Österreich mit Menschen umgehen sollten, die alles – bis auf ihr Leben – verloren haben.

Die Geschichte Inzings

Inzing ist meines Erachtens älter als es die Urkunden besagen. Bereits zur Eisenzeit dürfte eine befestigte Anlage oberhalb der Gemeinde bestanden haben, am sogenannten Burcht. Erste Ausgrabungen lassen jedenfalls darauf schließen.

Das Ortszentrum von Inzing: die Petrus-Kirche und der 'Turm'.

Das Ortszentrum von Inzing: die Petrus-Kirche und der ‚Turm‘.

Im Ortszentrum von Inzing erhebt sich aber ein leibhaftiges Schlösschen, der sogenannte ,Turm‘. Weshalb ausgerechnet in Inzing? Weil hier die Salzstraße verlief und deshalb Mauteinnahmen versprach. Die Ritter von Eben schienen sich dieses Geschäftes angenommen zu haben.

Der 'Turm', der Rest eines schlossähnlichen Gebäudes in Inzing.

Der ‚Turm‘, der Rest eines schlossähnlichen Gebäudes in Inzing.

Sehr interessant ist auch, dass der Hofmaler Kaiser Maximilians I., Jörg Kölderer aus dem heutigen Inzing stammte. Genauer aus Hof, einem wunderschönen Weiler oberhalb der von Inzing. Kölderer bemalte mit größter Wahrscheinlicheit das berühmte Goldene Dachl in Innsbruck.

Hier wuchs der Hofmaler von Kaiser Maximilian I., Jörg Kölderer auf: in Hof oberhalb von Inzing.

Hier wuchs der Hofmaler von Kaiser Maximilian I., Jörg Kölderer auf: in Hof oberhalb von Inzing.

Ein Kölderer-Fresko am Goldenen Dachl in Innsbruck

Ein Kölderer-Fresko am Goldenen Dachl in Innsbruck.

Quasi geadelt wird Inzing jedoch vom Deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe. Als Goethe von Seefeld Richtung Süden hinunter ins knapp 600 m tiefer gelegene Inntal schaute, erblickte er den Ort Inzing: „ … so blickt man nun über einen Rücken in das Inntal, und Inzingen liegt vor uns“.

Hier lebte der Bauernkartograf Blasius-Hueber: Adelshof in Toblaten

Hier lebte der Bauernkartograf Blasius-Hueber: Adelshof in Toblaten

Apropos Adel: In Toblaten, im rund 1,5 km von der St. Peters-Kirche entfernten nächsten Weiler auf dem Tiroler Jakobsweg, lebte ein anderer, berühmter ,Sohn‘ der Gemeinde: der Bauernkartograf und ,Landvermesser‘ Blasius Hueber. Sein Wohnhaus in Toblaten, der Adelshof, gehört zu den wahrhaft wunderschönen und mit viel Hingabe gepflegten Bauenhäusern auf dem Tiroler Jakobsweg. Und was das Beste ist: dieses Haus des Blasius Hueber ist auch eine Jakobsweg-Herberge.

Der Adelshof in Toblaten: Einst Wohnhaus Blasius Huebers. Heute wunderschöne Pension und Jakobsherberge.

Der Adelshof in Toblaten: Einst Wohnhaus Blasius Huebers. Heute wunderschöne Pension und Jakobsherberge.

Ein Juwel von einer Pilgerherberge: der Adelshof in Toblaten

Ein Juwel von einer Pilgerherberge: der Adelshof in Toblaten

Fresken am rund 700 Jahre alten Adelshof in Toblaten

Fresken am rund 700 Jahre alten Adelshof in Toblaten

Und das bietet Inzing den Pilger_innen:

Trinkwasserbrunnen, Postamt, Bank und Bankomat, Arzt, Apotheke, Einkaufsmöglichkeiten, Schwimmbad.

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3 Gedanken zu “Inzing – der Ort des Tränenwunders

  1. Pingback: 7. Etappe: Innsbruck – Inzing | Der Tiroler Jakobsweg

  2. Hat dies auf dtklose rebloggt und kommentierte:
    Werner Kräutlers eindrucksvolle Tiroler Jakobs-Pilger-Wege Beschreibungen mit eingehenden Ortsbeschreibungen. Heimatkunde für TirolerInnen und solche die es noch werden wollen 😉

    Gefällt mir

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