8. Etappe: Inzing – Haiming


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Streckenlänge: 27 km, Dauer: 7 Stunden

Der Höhepunkt dieser Etappe ist eine ganz wunderbare bauliche Meisterleistung, das Stift Stams – zuerst geht‘s aber nach Toblaten, weiter am Waldrand via Hatting und Polling nach Flaurling mit seinem ganz wunderbaren alten Gasthof Goldener Adler und einem Schlössl – anschließend pilgern wir über die Salzstraße nach Pfaffenhofen und Rietz nach Stams, der Perle des Tiroler Oberlandes – dann warten zwei Naturdenkmale auf naturliebende Pilger_innen, der Eichenwald in Stams und ein Föhrenwald in Silz – der Etappenspaß endet heute in Haiming.

Weshalb ich diese Etappe so, also von Inzing nach Haiming vorschlage? Ganz einfach: weil in Haiming gleich zwei ,leistbare‘ und kostengünstige Herbergen der Pilger_innen harren, die da kommen. Um nicht die Herberge ,Zum Löwen‘ in Silz, also einige Kilometer vor Haiming zu vergessen, die ebenfalls preisgünstig und gut ist. (Hier geht’s zu den Details). Aber ich beginne von vorne, also in Inzing.

Fresken am rund 700 Jahre alten Adelshof in Toblaten

Fresken am rund 700 Jahre alten Adelshof in Toblaten

Eine Sonnenuhr an der Nordseite des Adelshofs, ein Scherz des Bauernkartografen: "Wenn die Welt verkehrt wird sein wird auch an dieser Stell die Sonne schei'". (Blasius Hueber)

Eine Sonnenuhr an der Nordseite des Adelshofs, ein Scherz des Bauernkartografen: „Wenn die Welt verkehrt wird sein wird auch an dieser Stell die Sonne schei’n“. (Blasius Hueber)

Schon nach rund 1,5 km durchqueren wir westlich von Inzing einen uralten Weiler namens Toblaten. Die Bauern hier haben sich ganz offensichtlich zu Pferdespezialisten entwickelt, denn in zahlreichen Koppeln tummeln sich die schönen Tiere zuhauf. In der Mitte des Ortes dann ein absolut sehenswertes Gebäude, der Adelshof. Das Gebäude ist rund 700 Jahre alt und erscheint in einem ausgesprochen gepflegten Zustand. Hier lebte ein berühmter ,Bauernkartograf‘, nämlich der ‚Landvermesser‘ Blasius Hueber. Und: das wunderschöne Haus ist auch eine ganz außergewöhnliche und gleichzeitig preisgünstige Pilgerherberge!

Hier lebte der Bauernkartograf Blasius-Hueber: Adelshof in Toblaten

Hier lebte der Bauernkartograf Blasius-Hueber: Im Adelshof in Toblaten.

Über Hatting und Polling führt der Weg weiter in Richtung Pfaffenhofen. Die zwei erstgenannten Orte sind – leider – nicht der Rede wert. Unfassbare „architektonische Leistungen“ haben das jeweilige Dorfzentrum in einem Maß verschandelt, wie es kaum zu glauben ist. Dazu möchte ich mich erst gar nicht auslassen, da schweigt des Pilgers Höflichkeit.

Sozusagen als Ausgleich, ja geradezu als Belohnung für die ob der baulichen Scheußlichkeiten bereits in Mitleidenschaft gezogenen Augen taucht Flaurling vor den hocherfreuten Pilger_innen auf. Eine Gemeinde, die noch erahnen lässt, wie schön solche Bauerndörfer einmal waren. Und die den Beweis antritt, dass moderne Zeiten nicht auch gleichzeitig mit einem Kahlschlag uralter Gebäude und Bauernhäuser zu tun haben müssen. In Flaurling wird man jedenfalls schon am Ortseingang von einem riesigen alten, aus Holz erbauten Stallgebäude begrüßt.

Ich schwärme für diese Gemeinde. Nicht nur, weil die uralten, verwinkelten Gässchen zwischen den alten Bauernhäusern noch erhalten sind. Nicht nur, weil die wunderschönen, alten Stallgebäude mit ihrer Holzarchitektur einen Eindruck davon geben, welches Raumgefühl Baumeister vor hunderten von Jahren hatten. Nicht nur, weil ein altes Schlösschen quasi über dem Ort thront.  Nein, auch – oder soll ich sagen vor allem – wegen eines Hauses, das alle Meriten verdient die zu verdienen sind: Der Gasthof „Goldener Adler“ von Flaurling hat es mir in der Tat außerordentlich angetan. Ein Tiroler Wirtshaus vom Allerfeinsten. Hier eine Rast zu machen – vielleicht sogar im einladenden Gastgarten zu entspannen – gehört in die Rubrik „schönstes Pilgerleben“.

flaurling

Der wunderschöne Blick vom Ris-Schlössl auf Flaurling

Ein Bild von einem Wirtshaus, Gasthaus oder wie man so etwas nennt: der phantastische Goldene Adler in Flaurling

Ein Bild von einem Wirtshaus, Gasthaus oder wie man so etwas nennt: der phantastische Goldene Adler in Flaurling

Das 'Ris-Schlössl' thront über Flaurling. Weshalb es ausgerechnet da steht? Weil hier die Salzstraße vorbeiführte und die Mauteinnahmen offenbar nicht schlecht waren.

Das ‚Ris-Schlössl‘ thront über Flaurling. Weshalb es ausgerechnet da steht? Weil hier die Salzstraße vorbeiführte und die Mauteinnahmen offenbar nicht schlecht waren.

In Richtung Pfaffenhofen pilgernd umkurvt man quasi Oberhofen – ein ebenfalls architektonisch zugrunde gerichtetes Dorf. Dennoch fällt linkerhand hoch überm Tal ein bedachter Burgturm auf, ein Burgfried. Es handelt sich um die Feste Hörtenberg, dem Rest einer Burganlage, deren unrühmliches Ende mit einem großen Knall eingeleitet worden war. Denn am 5. August 1706 schlug ein Blitz ausgerechnet in die auf der Burg gelagerten 1.500 Zentner Schießpulver ein. Der Vorgang endete – so stelle ich es mir lebhaft vor – mit einer riesigen Explosion, in deren Folge alle Gebäude der Burg mit Ausnahme des Burgfrieds dem Erdbogen gleich gemacht wurden. Das war damals schon kein wirklicher Schaden, da mit dem Pulver eh nur Menschen umgebracht worden wären…

Pfaffenhofen am Tiroler Jakobsweg

Pfaffenhofen am Tiroler Jakobsweg. Bild: wikipedia

Sehenswert in Pfaffenhofen ist die Kirche Mariä Himmelfahrt. Mir hat schon immer der schlanke, hoch aufragende und spitze Kirchturm sehr gefallen. Und man glaubt es kaum: Pfaffenhofen war in grauer Vorzeit Bischofssitz, denn hier residierte bereits um 500 n. Chr. ein „Wanderbischof“, dessen Bischofsstuhl heute noch im Presbyterium der Kirche zu besichtigen ist. Auffallend ist das riesiges Fresko an der Südfassade aus 1826, das die Auferstehung Christi darstellt.

Das Auferstehungs-Fresko an der Pfarrkirche Pfaffenhofen

Das Auferstehungs-Fresko an der Pfarrkirche Pfaffenhofen

Auf dem Weg nach Rietz überqueren wir einer jener Bäche, die in grauer Vorzeit jene Schuttkegel geschaffen haben, auf dem viele Gemeinden auf dem Tiroler Jakobsweg zwischen Innsbruck und Landeck erbaut worden sind. Wie zum Beispiel Rietz, dem Ort der 3 Kirchen, die auch das Gemeindewappen zieren.

Die wunderschöne kleinen Kirche zum Hl. Valentin gleich am Ortsanfang, die unübersehbare Wallfahrtskirche zum Hl. Antonius von Padua und die Filialkirche zum Heiligen Kreuz. Wobei nur die Valentins-Kirche direkt am Jakobsweg lag und liegt.

In Rietz erahnen die Pilger_innn, wie diese Bauerndörfer vor einigen Jahrzehnten noch ausgesehen hatten.

In Rietz erahnen die Pilger_innn, wie diese Bauerndörfer vor einigen Jahrzehnten noch ausgesehen hatten.

Keine Monster am Giebel aber mit viel Liebe zum Detail am Zauner Hof.

Keine Monster am Giebel aber geschnitzte Kühe mit viel Liebe zum Detail: Zauner Hof.

Der Ortsanfang ist auch der schönste, um nicht zu sagen der am wenigsten zerstörte Teil dieses ehemaligen Bauerndorfes. Im Ortsteil Dorf stehen noch einige bemerkenswert gut erhaltene und liebevoll renovierte Bauernhäuser samt dem ehemaligen Dorfbrunnen (vor dem Supermarkt). Auch die schmale Straße, die sich an den Häusern vorbeischlängelt wurde letzten Endes nicht begradigt. Bauerndörfer, so heißt es, hatten niemals bolzengrade Straßen. Denn die Bauern seien – so die Fama – vom Wirtshaus immer in Schlangen nach Hause gegangen. Und aus diesen Trampelpfaden seien dann die Straßen geworden. Wenn’s nicht stimmt ist die Geschichte wenigstens gut erfunden…

Ein uraltes Fresko an einem Haus in Rietz...

Ein uraltes Fresko an einem Haus in Rietz…

...und ein gewisser Fatalismus gehört offenbar dazu...

…mit leichtem Hang zum Pessimismus.

Vorbei am vielleicht schönsten Bauernhaus mit einer Sonnenuhr und lustigen Fresken führt der Weg weiter durch ein Dorf, dessen Antlitz ebenfalls von planenden Baumeistern und/oder sogenannten Architekten zerstört worden ist. Es geht über einen riesigen ehemaligen Schuttkegel nach Stams.

Umgeben von einem unvergleichlichen Bergpanorama erreicht der staunende Pilger / die entzückte Pilgerin den Gnadenort Stams mit seinem einmaligen Zisterzienserkloster. Und, das soll nicht vergessen werden, einer einst berühmten Wallfahrtskirche, jener des Hl. Johannes des Täufers zu Stams.

Das Zisterzienserstift Stams inmitten eines einmaligen Bergpanoramas

Das Zisterzienserstift Stams inmitten eines einmaligen Bergpanoramas

Die Stamser Pfarrkirche Johannes der Täufer und die 'Alte Schmiede', heute ein Café

Die Stamser Pfarrkirche Johannes der Täufer und die ‚Alte Schmiede‘, heute ein Café

Das Stift Stams inmitten eines unglaublich schönen Bergpanoramas

Das Stift Stams inmitten eines atemeraubend schönen Bergpanoramas

Der Ortskern von Stams vermittelt immer noch eine gewisse mittelalterliche Atmosphäre. Häuser, die sich richtiggehend an das Stift ‚anschmiegen‘, Klostergärten und andere Details werden hier sehr gepflegt. Und einen Besuch der Pfarrkirche zu Stams kann ich nur empfehlen.

Die nächsten Kilometer dieser Etappe sind der Natur gewidmet. Zuerst durchquert man einen alten, unter Naturschutz stehenden Eichenwald, der am Ortsende von Stams der Pilger_innen harrt. Den neugierigen Pilger_innen fällt es dann aber sofort auf: auf dem Höhenzug rechterhand steht – wie ein Solitär – auf einem Bergrücken die berühmte Wallfahrtskirche Maria Locherboden.

Die wunderschöne Wallfahrtskirche Maria Locherboden bei Stams

Die wunderschöne Wallfahrtskirche Maria Locherboden bei Stams. Unter Zuhilfenahme von digiscoping von Swarovski-Optik

In Silz sollte man sich die Kirche anschauen: Die Fresken in der Peter und Paulskirche stammen von den sogenannten ‚Nazarenern‚, einer Kunstrichtung des späten 18. Jahrhunderts.

Die Kunst der Nazarener beeinflusste die deutsche Romantik.

Die Nazarener-Fresken in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Silz. Die Kunst der Nazarener beeinflusste übrigens die deutsche Romantik.

Die Burg St. Petersberg war schon im Mittelalter Gerichtsstandort und Grundbuch

Die Burg St. Petersberg war schon im Mittelalter neben den üblichen Aufgaben wie Unterdrückung der Bauern auch noch Gerichtsstandort und Grundbuchstelle. Bild erstellt unter Zuhilfenahme von digiscoping von Swarovski-Optik

Nach dem unter Naturschutz stehenden Föhrenwald 'Pirchat' taucht die Pfarrkirche von Maining auf.

Nach dem unter Naturschutz stehenden Föhrenwald ‚Pirchat‘ taucht die Pfarrkirche von Haiming auf. Bild erstellt unter Zuhilfenahme von digiscoping von Swarovski-Optik.

brunnen haiming

Auch in Haiming gibt es viele, mit viel Liebe zum Detail gestaltete Dorfbrunnen. Aus ihnen sprudelt wunderbar kaltes und wohlschmeckendes Wasser.

Streckendaten und Wegverlauf

Herbergen zwischen Inzing und Haiming

Ortsbeschreibung Toblaten

Ortsbeschreibung Flaurling

Ortsbeschreibung Pfaffenhofen

Ortsbeschreibung Rietz

Ortsbeschreibung Stams

Ortsbeschreibung Silz 

Ortsbeschreibung Haiming 

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