Toblaten: ein Karfunkelstein am Jakobsweg

Dieser kleine Weiler gehört zu den interessanten dörflichen ,Karfunkelsteinen‘ am Tiroler Jakobsweg. Er liegt am Fuß eines Hügels namens Burcht (= Burg), der schon vor Jahrtausenden eine wichtige Rolle spielte.

Dass Toblaten immer noch quasi als ,Vorort‘ Inzings gilt ist nur mit dem Wackeln des Schwanzes mit dem Hund vergleichbar. Toblaten war ganz offensichtlich historisch der weitaus wichtigere Teil, also der „Hund“ und nicht der „Schwanz“.

Der Blick von Toblaten auf das Obere Inntal

Der Blick von Toblaten auf das Obere Inntal

Selbst Einheimischen ist offenbar die einstige Funktion von Toblaten nicht so richtig geläufig. Wie auch. Denn erst in den letzten Jahren erbrachten Ausgrabungen auf dem ,Burcht‘  oberhalb von Toblaten den Beweis, dass es sich bei dieser Anhöhe tatsächlich um ein bereits prähistorisch von den Rätern genutztes Areal handelt. Keramikscherben der Fritzens-Sanzeno-Kultur, rätische Schellen oder eine eisenzeitliche Messerklinge wurden ausgegraben und belegen die Besiedelung dieser Gegend. Eine sehr gute Zusammenstellung der Herkunft und Geschichte Toblatens gibt es hier.

Hier, auf der 'Burcht' standen mit größter Wahrscheinlichkeit eine rätische und anschließend eine mittelalterliche Burg.

Hier, auf der ‚Burcht‘ standen mit größter Wahrscheinlichkeit eine rätische und anschließend eine mittelalterliche Burg.

In Toblaten hält sich hartnäckig das Gerücht bzw. die Sage, Herzog Friedrich IV. von Österreich, genannt „Friedl mit der leeren Tasche“, soll auf seiner Flucht aus Konstanz im Toblater Adelshof übernachtet haben. Friedrich hielt dem damaligen Marodeur auf dem Papstthron, Johannes XXIII., die Stange und als der abgesetzt worden war musste Friedl Fersengeld zahlen. Mehr noch: Aus Dank habe er die berühmte Toblater Friedenslinde gepflanzt. Ein Baum dessen Alter auf rund 600 Jahre geschätzt wird.

Der Adelshof in Toblaten: Einst Wohnhaus Blasius Huebers. Heute wunderschöne Pension und Jakobsherberge.

Der Adelshof in Toblaten: Einst Wohnhaus Blasius Huebers. Heute wunderschöne Pension und Jakobsherberge.

Wär ja kein Wunder, wenn der Adelshof auch schon Friedl mit der leeren Tasche gefallen hätte.

Wär ja kein Wunder, wenn der Adelshof auch schon Friedl mit der leeren Tasche gefallen hätte. Bild: Adelshof

Der Adelshof - viel Liebe zum Detail

Der Adelshof – viel Liebe zum Detail. Bild: Adelshof

Die Pilgerherberge Adelshof am Tiroler Jakobsweg

Die Pilgerherberge Adelshof am Tiroler Jakobsweg

Der Adelshof in Toblaten ist mit oder ohne Friedrichs Übernachtung das zentrale, ja das auffallendste Gebäude in Toblaten. Sein Alter wird auf mindestens 700 Jahre geschätzt. Es ist der Familie Martha und Friedl Abenthung zu danken, dass dieses alte Gemäuer immer noch ein wahres Schmuckkästlein sind.

Wenn auch die Übernachtung des Friedl mit der leeren Tasche historisch alles andere als abgesichert ist, ein anderes Faktum ist belegbar: der berühmte Tiroler Landvermesser und Bauernkartograf Blasius Hueber lebte hier. Der Schüler Peter Anichs hatte das ,Landvermessen‘ ebenso wie sein Meister ohne Hochschulausbildung erlernt und war darin sehr erfolgreich. Die von Anich und Hueber 1774 gedruckte ,Große Karte von Tirol‘ wurde in Frankreich als „beste Karte des Jahrhunderts“ gepriesen, kopiert und von den napoleonischen Truppen beim Einmarsch in Tirol 1809 benützt.

Blasius Hueber, einst Besitzer des Adelshofes in Toblaten. Bild: Adelshof.com

Blasius Hueber, einst Besitzer des Adelshofes in Toblaten. Bild: Adelshof.com

An der Schattseite des Gebäudes fällt eine Sonnenuhr auf. Scheinbar – und auch tatsächlich – völlig deplatziert. Bei genauerem Hinsehen ist sie ein Scherz Blasius Huebers.

Eine Sonnenuhr an der Nordseite des Adelshofs, ein Scherz des Bauernkartografen: "Wenn die Welt verkehrt wird sein wird auch an dieser Stell die Sonne schei'". (Blasius Hueber)

Eine Sonnenuhr an der Nordseite des Adelshofs, eine Hommage an den Bauernkartografen: „Wenn die Welt verkehrt wird sein wird auch an dieser Stell die Sonne schei'“. (Blasius Hueber)

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2 Gedanken zu “Toblaten: ein Karfunkelstein am Jakobsweg

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