Flaurling – eine Perle an der Salzstraße

Für mich zählt Flaurling zu den Perlen am Tiroler Jakobsweg zwischen Innsbruck und dem Arlberg. Es waren zwei Männer namens Sigmund, die für diesen bis heute anhaltenden Glanz sorgten: Sigmund der Münzreiche der Habsburger und Sigmund Ris, sein Hofkaplan. Ja, und dann waren ja noch das Salz und ein Fährhafen am Inn im Spiel, mit dem man bis ins ausgehende Mittelalter massig Geld verdienen konnte.

Schon gleich am Ortsanfang wird der frohe Pilgersmann / die entzückte Pilgersfrau von einem prachtvollen Tiroler Haus empfangen. Einem Gasthaus sogar, nämlich dem Goldenen Adler von Flaurling. Alte Bauernhäuser, eine eindrucksvoll Kirche und ein Schlössl oberhalb des Ortes runden das wunderschöne Bild dieses im Dorfkern noch zum Großteil existenten Tiroler Bauerndorfes ab.

Ein uraltes, renommiertes Gasthaus: der Goldene Adler in Flaurling.

Ein uraltes, renommiertes Gasthaus: der Goldene Adler in Flaurling.

Für mich ist Flaurling eine Augenweide. Ich gebe zu: der Gasthof Goldener Adler hat‘s mir schon seit jeher angetan. Wer Tiroler Speisen mit regionalen Zutaten in einem wunderbar alten, sehr gepflegten Ambiente genießen will: Voilà. Mir passt’s hier so richtig! Aber das ist längst noch nicht alles. Flaurling hat noch mehr zu bieten.

Dieses Fresko am Goldenen Adler sollte wohl die Fuhrleute animieren, eine Rast einzulegen.

Dieses Fresko am Goldenen Adler sollte wohl die Fuhrleute animieren, eine Rast einzulegen.

Der Jakobsweg führt quer durch die Gemeinde auch zur Kirche St. Margaretha und zum Ris-Schlössl. Beide Gebäude haben eine lange Geschichte. Denn Flaurling hat‘s bereits 763 quasi offiziell geschafft, in den Geschichtsbüchern erwähnt zu werden. Aber die eigentliche Hochblüte erlebte das Dorf im 15. Jahrhundert. Denn Flaurling besaß einen Fährhafen am Inn, der hier überquert werden musste. Und über den die Salztransporte in Richtung Arlberg liefen. Da war also Geld zu verdienen für Kirche und Adel. Was Wunder, dass Sigmund der Münzreiche hier ein Jagdschloss errichtete, konnte er doch nach Jux und Tollerei in Wald und Flur auch gleich geschäftlich zum Rechten sehen.

Das Ris-Schlössl oberhalb von Flaurling

Das Ris-Schlössl oberhalb von Flaurling

Flaurling, Ris Schlössl, Tiroler Jakobsweg

In diesem Zwischentrakt befindet sich die Ris-Bibliothek von Flaurling.

Aber es war nicht nur Sigmund, der den Ort nachhaltig prägte. Sein Hofkaplan Sigmund Ris stand hoch in der Gunst des Habsburgers und erhielt das Schloss 1479 vom Herrscher als Schenkung. Ris wurde in der Folge vor allem durch weitere Ausbauten und seine Bibliothek bekannt, die er in diesem Schlössl unterbrachte und die heute noch existiert. (Übrigens gibt es eine für diesen kleinen Ort bemerkenswerte, webbasierte Chronik, in der neben geschichtlichen und kirchlichen Daten auch neue Entwicklungen veröffentlicht werden. Hier geht es zur Chronik-Flaurling, die ausgesprochen gut gemacht und sehr aufschlussreich ist.)

Dass ab dem 16. Jahrhundert in Flaurling Salz ,gestapelt‘ wurde, hat sich sicher auch positiv auf die Entwicklung des Ortes ausgewirkt. Ein ,Salzstadl‘ hat in Flaurling jedenfalls bis ins 19. Jahrhundert bestanden.

Ein Dörfchen wie aus dem Bilderbuch: Flaurling

Ein Dörfchen wie aus dem Bilderbuch: Flaurling

Die wunderschöne Pfarrkirche von Flaurling, der Hl. Margarethe der Märtyrerin geweiht.

Die wunderschöne Pfarrkirche von Flaurling, der Hl. Margarethe der Märtyrerin geweiht.

Neben einem Spaziergang durch die verwinkelten Gassen dieses schönen Örtchens möchte ich den Besuch der St. Margaretha-Kirche empfehlen. Sie wurde ebenfalls vom Hofkaplan Ris – sogar aus eigenen Mitteln – von einer Kapelle zu einer Kirche vergrößert. Später erlitt die Kirche das Schicksal vieler Kirchen: Sie wurde im Zuge der Gegenreformation barockisiert um den Gläubigen vorzugaukeln, die katholische Kirche sei den Sinnenslüsten nicht ganz abgeneigt. Obwohl ich persönlich nicht wirklich für die überladenen Barock-Kirchen schwärme muss ich zugeben, dass die St. Margarethenkirche mit ihrem rund 330 m2 großen Deckenfresko ein bemerkenswertes Beispiel für den schönen Barock darstellt.

Übrigens: Auch der neue Landesfürst, Kaiser Maximilian I., war dem Pfarrherrn von Flaurling äußerst gewogen. Maximilian I. bestätigte die von Pfarrer Ris im Jahr 1504 errichtete Stiftung, die „ewig der Rysen Stifft“ heißen sollte. Weshalb ich das hier vermerke? Weil diese Stiftung quasi ewige Gebete für den Hofkaplan vorsah. Schon irgendwie schräg meine ich. Die Stiftung erhielt einen eigenen Kaplan, der alle Sonntage in der Kirche zu Flaurling und an 16 Feiertagen in den Kirchen Pfaffenhofen und Hatting die Messe zu lesen und eine einstündige Predigt (!) auf der Kanzel zu halten hatte. Sicher für Prediger eine formidable Mammutaufgabe. Quasi heiliges Filibustern von der Kanzel herab… Außerdem hatte der Kaplan einen ewigen Jahrtag für die Familie Ris zu halten.

Das Grabmal des Priesters ist heute noch rechts unterhalb der Kanzel zu sehen.

Das Grabmal von Sigmund Ris in der St.  Margaretha-Kirche in Flaurling

Das Grabmal von Sigmund Ris in der St. Margaretha-Kirche in Flaurling

Das Kraftwerk in Flaurling wurde 1904 gegründet und besteht heute noch.

Das Kraftwerk in Flaurling wurde 1904 gegründet und besteht heute noch. Bild: Chronik-Flaurling

Und quasi ,neuzeitlich‘ interessant ist das Elektrizitätswerk der Gemeinde, an dem der Tiroler Jakobsweg unmittelbar vorbeiführt. Auch hier gibt die Chronik Flaurling erschöpfend Auskunft.

Und das bietet Flaurling den Pilger_innen:

Trinkwasserbrunnen, Bank und Bankomat, Einkaufsmöglichkeiten.

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Ein Gedanke zu “Flaurling – eine Perle an der Salzstraße

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