Rietz – zwei Monate Schatten, drei Kirchen

Rietz ist ein Dorf, in dem die Sonne zwei Monate erst gar nicht aufgeht. Vielleicht verfügt der Ort deshalb über drei Kirchen.  

Das erfreut das Auge jedes kulturinteressierten Pilgers / jeder schöngeistigen Pilgerin am Ortseingang von Rietz: die alten Bauernhäuser. Hier hat sich die Gemeinde einige Schönheiten bewahrt. Die Pfarrkirche zum Hl. Valentin schmiegt sich an den Hang, das Gasthaus ,Dorferwirt‘ und die schönen, fein restaurierten Bauernhäuser, die uns Jakobspilger_innen empfangen säumen den Tiroler Jakobsweg. Bemerkenswert: Rietz verfügt gleich über drei Kirchen, die auch den Kern des Dorfwappens bilden.

Die wunderschöne Pfarrkirche St. Valentin in Rietz

Die Pfarrkirche St. Valentin in Rietz

Die in ihrer Art wunderschöne Hl. Kreuz-Kirche in Rietz-Unterdorf

Die in ihrer Art wunderschöne Hl. Kreuz-Kirche in Rietz-Unterdorf

Die Wallfahrtskirche St. Antonius, Rietz am Tiroler Jakobsweg

Die Wallfahrtskirche St. Antonius, Rietz am Tiroler Jakobsweg

Angeblich ist der Ortsnamen Rietz aus dem Illyrischen hergeleitet. Auf einem riesigen Schuttkegel erbaut waren denn auch die landwirtschaftlichen Erträge vermutlich sehr gering. Nicht zuletzt deshalb, weil hier von Ende November bis Anfang Februar die Sonne erst gar nicht aufgeht. Denn die Ausläufer der Stubaier Alpen streben in Rietz jäh in die Höhe, bis auf eine Höhe von 2.884 m. Und da gibt’s für die Sonne im Hochwinter kein Durchkommen. Jedenfalls war Rietz jahrzehntelang ein ,Auswandererort‘. Erst seit den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts nimmt die Bevölkerungszahl wieder zu.

Mächtig und majestätisch türmen sich die Stubaier Alpen bei Rietz auf

Majestätisch, ja beinahe bedrohlich türmen sich die Stubaier Alpen über Rietz auf. Hinter dieser gewaltigen ‚Mauer‘ verschwindet die Sonne im Winter während zwei Monaten.

Alte Bauernhäuser, wunderbar renoviert, säumen den Jakobsweg am Ortsanfang von Rietz

Alte Bauernhäuser, wunderbar renoviert, säumen den Jakobsweg am Ortsanfang von Rietz

Der Ortsteil „Dorf“ gibt einen Eindruck, wie diese Orte an der Schattseite des Oberinntals einmal ausgesehen haben. Vor allem das Haus „Dorf 1“ hat es mir angetan. Wunderschön saniert, samt Fresken und Sonnenuhr und – natürlich – samt Bauerngartl und Obstwiese. Gegenüber des Hauses steht der Stall, in dem der Besitzer nun seine drei Pferde untergebracht hat.

Ein altes Stallgebäude in Rietz

Ein perfekt erhaltenes, schönes und altes Stallgebäude in Rietz

Eine Sonnenuhr mit Fresko am Haus 'Dorf Nr. 1' in Rietz. Ein wunderschönes Beispiel für die Sanierung eines alten Bauernhauses.

Eine Sonnenuhr mit Fresko am Haus ‚Dorf No. 1‘ in Rietz. Ein wunderschönes Beispiel für die Sanierung eines alten Bauernhauses.

Wen’s interessiert, das steht auf den Fresken geschrieben: „Die Elteren Und das Kind, Sich mit der Arweith nähren. Josef zimert, Maria Spint, Jesus düeth selbst aus Kehren.“ Links vom Zifferblatt : „Todt, dis ist mein Haus“; Rechts vom Zifferblatt : „Du Sprichst zu mir, dies ist dein Haus, und du vergißt du Müast bald draus, Wandern aus“.

Erwähnenswert ist das Kluibenschedl-Haus, das Wohn- und Geburtshaus des Malers Heinrich Kluibenschedl. Er war einer der letzten Vertreter der sogenannten ,Nazarener‘ in Tirol und widmete sich auch der Restaurierung alter Freskenmalerei. Kunstinteressierte Pilger_innen können in allernächster Umgebung von Rietz zwei seiner Werke bewundern: das Deckengemälde in der Pfarrkirche zu Silz und die Restaurierungen der Außenfresken am berühmten Gasthof Stern in Ötz.

Das Wohn- und Geburtshaus des bekannten 'Nazareners', Heinrich Kluibenschedl in Rietz

Das Wohn- und Geburtshaus des bekannten Malers der ‚Nazarener‘, Heinrich Kluibenschedl in Rietz

Heinrich Kluibenschedl restaurierte auch die Außenfresken am Gasthof Stern

Heinrich Kluibenschedl restaurierte auch die Außenfresken am Gasthof Stern

Dieses Deckengemälde stammt von Heinrich Kluibenschedl

Dieses Deckengemälde in der Pfarrkirche zu Silz stammt von Heinrich Kluibenschedl

Und das bietet Rietz den Pilger_innen:

Trinkwasserbrunnen, Postamt, Bank und Bankomat, Arzt, Einkaufsmöglichkeiten, öffentliches WC

 

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Ein Gedanke zu “Rietz – zwei Monate Schatten, drei Kirchen

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