Stams – seit 3.000 Jahren als Kultplatz beliebt

Stams ist eines der geistigen Zentren Tirols. Bereits zur Eisenzeit bestand hier um 800 v. Chr. bereits ein Kultplatz. Um 700 n. Chr. wurde eine erste Holzkirche errichtet. Und ab 1273 nahm der Ort mit dem Zisterzienserstift einen rasanten Aufstieg. Heute ist Stams ein Schulzentrum.

Es ist schon ein einmaliger Anblick für die Jakobspilger_innen, wenn sie sich dem Stift Stams und damit dem Ort von Osten nähern. Neben dem Stiftsgebäude ist es vor allem der Turm der Pfarrkirche Stams, der die Silhouette dieses Ortes prägt, der zu den bedeutendsten Orten auf dem Weg nach Santiago gehört.

Stift Stams, das Juwel des Tiroler Oberlandes

Stift Stams, das Juwel des Tiroler Oberlandes

Die Silhouette von Stams mit dem prägnanten Kirchturm der Pfarrkirche.

Die Silhouette von Stams mit dem prägnanten Kirchturm der Pfarrkirche.

Als Graf Meinhard II. von Tirol 1273 das Zisterzienserstift gründete, tat er das also auf einem bereits bekannten Terrain. Einerseits bestand oberhalb des Stiftes um 600 v. Chr. bereits eine rätische Siedlung, zu der auch ein Kultplatz gehörte. Andererseits wurde bereits um 700 n. Chr. hier eine erste Holzkirche errichtet. Und ab 1000 setzte dann jene rege Wallfahrtstätigkeit nach Stams ein, die den Ort im Frühmittelalter berühmt gemacht hatte.

Das Stift Stams inmitten eines unglaublich schönen Bergpanoramas

Das Stift Stams inmitten eines malerisch schönen Bergpanoramas

Die Pfarrkirche in Stams, wo heute wieder eine Reliquie Johannes des Täufers aufbewahrt wird.

Die Pfarrkirche in Stams, wo heute wieder eine Reliquie Johannes des Täufers aufbewahrt wird.

Es war eine Reliquie, die Stams ins Zentrum von Wallfahrer- und Pilgerströmen rückte. In der damaligen Stamser Pfarrkirche wurde nämlich ein Finger Johannes des Täufers aufbewahrt. Und zwar nicht irgendeiner seiner Finger sondern jener, mit dem er auf Jesus gezeigt hatte. Das berichtet zumindest die Legende. Der Ansturm der Gläubigen musste teils gewaltig gewesen sein. Was dem Zisterzienserstift über Jahrhunderte hinweg zugute kam. Erst in der Reformationszeit und den nachfolgenden Unruhen kam der Ansturm von Gläubigen nahezu zum Erliegen. Aber auch, weil die Reliquie offenbar in den Wirren der Schmalkaldenkriege verloren gegangen war.

Das wird die Jakobspilger_innen interessieren: Auch der Hl. Jakob ist am vergoldeten Hochaltar (rechts oben) zu sehen.

Das wird die Jakobspilger_innen interessieren: Auch der Hl. Jakob ist am vergoldeten Hochaltar (rechts oben) mit Hut, Muscheln und Pilgerstab zu sehen.

Interessant ist aber, dass erst im Jahre 2006, also 450 Jahre nach demVerschwinden des Johannes-Fingers eine barock gefasste Reliquie mit einem authentischen Partikel von den Gebeinen des Hl. Johannes erworben und nach Stams gebracht worden war.

Stams ist auch als Ausbildungszentrum ein liebenswürdiges, schönes Dörfchen geblieben.

Stams ist auch als Ausbildungszentrum ein liebenswürdiges, schönes Dörfchen geblieben.

Wechselvoll ist die neuzeitliche Geschichte des Stiftes Stams. 1807 von den Bayern aufgehoben wurde es 1816 unter Franz I. wieder errichtet. 1938 besetzten die Nazis das Stift, verhörten die Patres, von denen viele eingesperrt oder ins Exil vertrieben worden waren. Um 1945 wieder in einen Neubeginn zu münden.

Das Stift Stams setzt – man möchte sagen selbstverständlich – die zumindest tausendjährige Tradition der Pilgerbeherbergung fort. Männliche Pilger finden im Klausur, also im Kloster Aufnahme. Pilgerinnen werden im gegenüberliebenden Don-Bosco-Heim aufgenommen. Der Beitrag beträgt € 15 pro Person und Nacht. Hier geht’s zur den Daten für die Voranmeldung.

Durch dieses Tor schreiten die Pilger_innen, wenn sie die nächste Etappe in Richtung Santiago in Angriff nehmen.

Durch dieses Tor schreiten die Pilger_innen, wenn sie die nächste Etappe in Richtung Santiago in Angriff nehmen.

Heute ist Stams als der ,österreichische Adlerhorst‘ bekannt. Auch sportunkundigen Pilger_innen entgeht nicht die riesige Sprungschanze am Ortsanfang von Stams. Das dazugehörige Skigymnasium hat schon Weltmeister und Olympiasieger hervorgebracht. Eine pädagogische Hochschule, das Gymnasium Meinhardinum und eine Skihandelsschule unterstreichen die neuzeitliche Bedeutung des Stiftes als Bildungszentrum.

Naturinteressierte Pilger_innen können sich in Stams jedoch auch an einem eher profanen Thema ergötzen: am Ortsausgang passieren sie den letzten verbliebenen Eichenwald im Oberinntal.

Hörenswert ist das Geläute der Pfarrkirche Stams. Das will ich Euch nicht vorenthalten:

Und das bietet Stams den Pilger_innen:

Trinkwasserbrunnen, Postamt, Bank und Bankomat, und öffentliches WC.

 

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