Silz – Erdäpfel und Strom in Hülle und Fülle

Rechts und links des Tiroler Jakobsweges – der von Stams zuerst durch den Eichenwald führt – ist das Wahrzeichen des nächsten Ortes ersichtlich. Zuerst links einen Bauklotz, der ein gewaltiges Kraftwerk beherbergt. Und dann rechts Felder mit grünen Blättern, die auf eine Knollenfrucht schließen lassen: die berühmten Silzer Erdäpfel. 

Schon bald nach Stams fällt dem verwunderten Pilger / der neugierigen Pilgerin ein blockartig errichtetes Gebäude auf, von dem gewaltige Hochspannungsleitungen wegführen. Nachdem ein breiter Kanal überpilgert worden ist dürfte es klar sein: hier wird das Schmierfett der industriellen Gesellschaften produziert. Elektrischer Strom. Es ist das Krafthaus der Kraftwerksgruppe Sellrain Silz. Und das auch noch in einem Aumaß, das alle Vorstellungen sprengt. Das Wasser stürzt 1.250 m durch Druckrohrleitungen von Kühtai – einem Ortsteil von Silz – nach Silz. Hier treibt das mit 500 km/h auftreffende Wasser mächtige Turbinen. Zusammen mit einem Kraftwerk in Kühtai hat die Anlage knapp 800 MW Leistung.

Das Kraftwerk in Silz

Das Kraftwerk in Silz. Hier führt der Tiroler Jakobsweg unmittelbar vorbei.

SilzDagegen nimmt sich das zweite Wahrzeichen des Ortes geradezu bescheiden aus. Wenngleich seine Bedeutung vielleicht noch höher als die von Elektrizität eingeschätzt werden muss. Die Knollenfrüchte ermöglichen den Menschen zu allen Zeiten zu leben und zu überleben. Was man vom elektrischen Strom so direkt nicht behaupten kann. Und noch etwas: Kartoffeln werden hier Erdäpfel genannt. Und ihnen ist auch jeweils Anfang September ein rauschendes Fest gewidmet, das Silzer Erdäpfelfest.

Feld reiht sich an Feld: die Silzer Erdäpfel sind in Tirol äußerst beliebt.

Feld reiht sich an Feld: die Silzer Erdäpfel sind in Tirol äußerst beliebt. Bild: erdäpfel.info

Schon von weitem ist der etwas seltsame Kirchturm der St. Peter-und-Paul Kirche zu sehen. Das im neoromanischen Stil erbaute Gotteshaus ist vor allem wegen seiner Fresken bekannt und berühmt. Sie wurden im Stil der Nazarener gemalt, einer Art ,kirchlicher Romantik‘. 

Das Deckengemälde in der Silzer Kirche stammt vom Rietzer Maler Heinrich Kluibenschedl

Das Deckengemälde in der Silzer Kirche stammt vom Rietzer Maler Heinrich Kluibenschedl

Die Pilgerherberge des Gasthofs Löwen in Silz

Die Pilgerherberge des Gasthofs Löwen in Silz

In Silz finden ermattete Pilger_innen auch eine Pilgerherberge im Gasthof Löwen in unmittelbarer Nähe der Kirche.

Am Ortsausgang von Silz sieht man sie aufragen: die Burg St. Petersberg, einst Sitz eines Gerichtes sowie Verwaltungszentrum der Region. Wie Verwaltung halt im Mittelalter definiert worden ist: Das Aussaugen und Unterdrücken der ländlichen Bevölkerung stand vermutlich auch hier im Zentrum aller Anstrengungen. Das Leben der Adeligen musste ja finanziert werden.

Die Burg St. Petersberg war schon im Mittelalter Gerichtsstandort und Grundbuch

Die Burg St. Petersberg war schon im Mittelalter Gerichtsstandort, Grundbuch und „Verwaltungszentrale“. Heute ist es Sitz des nicht eben unumstrittenen katholischen Ordens „Engelswerk“.

Durch ein anderes Naturparadies verlässt man die Gemeinde, den unter Landschaftsschutz gestellten Föhrenwald im Silzer Pirchet. Vorbei übrigens an einem seltsamen, um nicht zu sagen makaberen Kriegerdenkmal. Jedem Gefallenen der Gemeinde Silz aus beiden Weltkriegen wird hier mit einem eigenen Kreuz gedacht.

Jedem toten Gemeindebürger beider Weltkriege ist ein Kreuz gewidmet.

Jedem toten Gemeindebürger beider Weltkriege ist ein Kreuz gewidmet.

Und das bietet Silz den Pilger_innen:

Trinkwasserbrunnen, Postamt, Bank und Bankomat, Arzt, Apotheke, Einkaufsmöglichkeiten und öffentliches WC.

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