Haiming: Schlauchboote und Äpfel

Die Agrargemeinde war für Pilger spätestens ab 1320 interessant, als die Brücke über den Inn bei Magerbach erstmals offiziell genannt worden war. Denn die Brücke wurde dort errichtet, wo der Inn aus dem Tschirgant-Bergsturz heraustritt und ziemlich schmal, also ,mager‘ daherkommt. Und der Weg weiter zum Arlbergpass und in der Folge nach Santiago de Compostela führt.

Schon am Ortseingang von Silz her kommend bemerkt der aufmerksame Pilger / die neugierige Pilgerin auf der linken Talseite eine Höhensiedlung. Es ist Haimingerberg, ein Weiler dieser Gemeinde. Auf der Rückseite dieses Berges befindet sich eine weitere Exklave Haimings namens Ochsengarten.

Schon von Weitem sichtbar: die Pfarrkirche zum Hl. Chrysanth und Daria in Haiming

Schon von Weitem sichtbar: die Pfarrkirche zum Hl. Chrysanth und Daria in Haiming

Weiter westwärts befindet sich quasi das Industrie- und Gewerbezentrum Haimings, das aber mit dem Ortsnamen nix zu tun haben will: Ötztal-Bahnhof. Das Entstehen dieser – sozusagen von Föhrenwäldern getarnten – Industriezone wurde von den Nazis betrieben. Denn im Berg oberhalb von Ötztal Bahnhof betrieben die Verbrecher einen Windkanal, der nach dem Sieg der Alliierten abgebaut und verschrottet worden ist.

Teils schön renovierte Bauernhäuser prägen immer noch das Ortsbild in Haiming.

Teils schön renovierte Bauernhäuser prägen immer noch das Ortsbild in Haiming.

Sehenswert sind in Haiming die noch immer existierenden alten Bauernhäuser die entlang verwinkelter Gassen angeordnet sind. Auffällig auch die Vielzahl von Brunnen, die früher ja als Tiertränken gedient hatten. Sie zeugen also ebenfalls von einer intensiven, agrarischen Geschichte des Ortes. Vom Überbleibsel dieser Vergangenheit leben aber wiederum viele Familien Haimings. Denn der Ort ist inzwischen das unbestrittene Obst- und Apfelzentrum des Tiroler Oberlandes.

Gefragt in ganz Tirol: die Äpfel aus Haiming.

Gefragt in ganz Tirol: die Äpfel aus Haiming.

In Haiming existiert auch ein legendäres Gasthaus, der sogenannte ,Zickeler‘, vulgo Gasthof Stern. Er liegt direkt am Jakobsweg. Ich kann einen Aufenthalt in diesem bodenständigen Gasthaus nur empfehlen. Die außergewöhnliche Gastfreundschaft der Wirtsleute ist sogar über Tirol hinaus legendär. Dass der Zickeler die absolut erste, offizielle Jakobs-Pilgerherberge in Tirol war, versteht sich da beinahe von selbst.

Der legendäre Zickeler ist nicht nur für die Bevölkerung in Haiming eine Institution.

Der legendäre Zickeler ist nicht nur für die Bevölkerung in Haiming eine Institution.

Eine weitere Herberge befindet sich rund 300 m weiter in Richtung Santiago (also westlich): das Refugio Otto. Ebenfalls eine Jakobs-Pilgerherberge der ersten Stunde.

Das Refugio Otto nahe der Brücke zu Magerbach: ebenfalls eine Jakobs-Pilgerherberge der ersten Stunde.

Das Refugio Otto nahe der Brücke zu Magerbach: ebenfalls eine Jakobs-Pilgerherberge der ersten Stunde.

Was in Haiming besonders auffällt ist die große Anzahl an Rafting-Unternehmen. Kein Wunder, gehört doch die Inn-Flussstrecke von Imst bis Haiming zu den absolut tollsten Rafting-Strecken in Europa. Und wenn der Inn hier überschritten wird, sieht man mit etwas Glück im Sommer die ankommenden Schlauchboote in der Nähe des antiken Gasthofes Löwen in Magerbach. Dass die Überquerung des Inns an dieser Stelle zu dankbaren Bekundungen Anlass gab, belegt eine kleine Kapelle hinter dem Gasthof Löwen.

Haiming ist ein Paradies für Wassersportler. Genauer: für die Rafter, also die Schlauchbootfahrer.

Haiming ist ein Paradies für Wassersportler. Genauer: für die Rafter, also die Schlauchbootfahrer.

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2 Gedanken zu “Haiming: Schlauchboote und Äpfel

  1. Pingback: 8. Etappe: Inzing – Haiming | Der Tiroler Jakobsweg

  2. Kleiner Nachtrag: Der Windkanal „Deckname Seelachs“ den die Nazis bauten, wurde nicht verschrottet, sondern dient heute noch in Frankreich als Kraftwerk.

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