6. Etappe: Gnadenwald – Innsbruck

jakobsweg.ch

Diese Etappe führt über sanften Ausläufer der wild aufragenden Nordkette – durch Dörfer, die sogar einen kollektiven Namen haben, nämlich „MARTA-Dörfer“ – um nach dieser relativ kurzen Etappe in Innsbruck, einem einstigen Zentrum der Jakobspilger einzutreffen um dort die Füße in die Luft und den Bauch in die Sonne zu strecken.

Streckenlänge: ca. 15 km, Dauer: ca. 5 Stunden

Diese Etappe ist sozusagen eine Belohnung für die Anstrengungen, die wir auf dem bisherigen Weg hinter uns zu bringen hatten. Vom wunderschönen Klösterlein St. Martin im Gnadenwald brechen wir auf und pilgern zuerst auf sanften Waldwegen in Richtung Absam. Die Vegetation ist der Umgebung angepasst: Föhrenwälder bedecken die riesigen, aus Kalkstein bestehenden Schuttkegel der – man darf es durchaus behaupten – majestätischen Berge.

Das liebreizende Klösterlein St. Martin im Gnadenwald

Das liebreizende Klösterlein St. Martin im Gnadenwald

In Absam betreten wir bei der Walderbrücke wieder offenes Gelände und durchschreiten dieses Dörfchen mit seinen teils uralten und großen Bauernhäusern in Richtung Kirche. Beachtlich sind hier einige vermutlich mittelalterliche Höfe mit vielen Details an ihrer Fassade. Absam ist das letzte A in der Bezeichnung MARTA, die wir quasi verkehrt angehen. Normal gelesen ist das die Abkürzung für Mühlau/Arzl/Rum/Thaur/Absam. Also ist in unserem Fall Thaur die nächste Destination.

Absam mit seiner berühmten Wallfahrtskirche Maria Absam

Absam mit seiner berühmten Wallfahrtskirche Maria Absam

Die Wallfahrtskirche Maria Absam ist eine Basilika

Die Wallfahrtskirche Mariabasilika Absam

Jetzt erahnen wir bereits Innsbruck. Die ersten Vororte sind zu sehen, wie die eher unschmucken Hochhäuser der Reichenau. Von Absam an geht es locker und auf feinen Wegen in Richtung Thaur. Unter uns das Inntal, linkerhand die Bergkette des Glungetzer und der Innsbrucker Hausberg, der Patscherkofel. Auch die eis- und schneebedeckte Bergspitzen im Stubaital sind zu sehen, allen voran das Zuckerhütl. Aber vor uns Thaur, eines der mit Sicherheit am besten erhaltenen Bauerndörfer auf dem Tiroler Jakobsweg.

Die Madonna mit dem Kind war ein beliebtes Fresko auf den Bauernhäusern

Die Madonna mit dem Kind war ein beliebtes Fresko auf den Bauernhäusern

Ein weiteres, wunderschönes Bauernhaus im Thaurer Zentrum

Ein weiteres, wunderschönes Bauernhaus im Thaurer Zentrum

Hier empfehle ich dem kunstsinnigen Pilger / der feinsinnigen Pilgerin eine Rast zu machen, um die fantastisch renovierten, teils uralten Häuser im Ortszentrum näher in Augenschein zu nehmen. Fresken, Wahrsprüche, Blumen vor den Fenstern und Lüftlmalerei. Alles ist hier in einer einzigartigen ,Mischung‘ zu betrachten. Beachtlich auch die ,Bauerngartl‘, diese einzigartigen Gemüse- und Beeren-Intensivkulturen auf Bio-Basis vor den bäuerlichen Haustüren.

Die Thaurer Vigilius Kirche

Die Thaurer Vigilius Kirche, eine von drei Gotteshäusern des Ortes.

Auffällig auch: an Kirchen fehlt es keineswegs in Thaur. Gleich drei Gotteshäuser zeugen entweder von früherer Frömmigkeit oder von einstiger Finanzkraft der Bauersleute.

Rum heißt der nächste Ort. Der Namen klingt irgendwie lustig, hat aber mit Hochprozentigem nichts zu tun. Der Name stammt von einer mittelalterlichen Bezeichnung, nämlich Rumme. Deutlich sichtbar: Rum ist quasi bereits vom Großraum Innsbruck „erfasst“ und bereits zu einer Art ,Vorort‘ geworden: Das Dorfzentrum ist architektonisch verwüstet. Lage und Klima sind eben zu verlockend für viele Städter, hier leben zu wollen, während sie in der Stadt arbeiten. Und die offenbar mit sensibler Architektur nix am Hut haben.

Schon von Weitem sichtbar: der Hügel des Kalvarienberges in Arzl.

Schon von Weitem sichtbar: der Hügel des Kalvarienberges in Arzl.

Der nächste Ort im MARTA-Zusammengang ist bereits Teil der Stadt Innsbruck: Arzl. Man verfügt hier aber – im Unterschied zu den anderen MARTA-Dörfern – über ein einzigartiges Wahrzeichen: den ,Kalvarienberg‘. Von weitem bereits sichtbar mit seiner an der Spitze errichteten Kapelle geht die Nutzung dieses Hügels als Kultplatz in die Vorgeschichte zurück. Ich empfehle dringend, den Hügel zu besteigen und die einzigartige Aussicht zu genießen.

Kreuzwegstationen führen von Arzl auf das Bergl.

Kreuzwegstationen führen von Arzl auf das Bergl.

Die Speckbacher-Schützenkompanie Arzl war nicht zu meinem Empfang angetreten!

Die Speckbacher-Schützenkompanie Arzl

...deshalb besichtigte ich das Dörfchen

Dörfliche Idylle in Arzl, ein Innsbrucker Stadtteil

Das muss ich jetzt aber noch loskriegen: Bei meiner Pilgerreise durch Arzl marschierten sogar Musikkapelle und Schützen auf. Aber nicht etwa um mir einen Willkommensgruß zu entbieten sondern um den Herz-Jesu-Sonntag zu feiern. Quasi das ,Hochamt‘ für die Tiroler Schützen. Wer in Tirol in solch buntes Traditions-Treiben gerät bekommt einen Eindruck davon, weshalb Napoleon am Berg Isel 3mal auf die Mütze bekommen hatte.

Das Dorfzentrum von Arzl

Das Dorfzentrum von Arzl

Das 'Dorfzentrum' von Mühlau, einem Innsbrucker Stadtteil mit dem wuchtigen Gasthof Koreth

Das ‚Dorfzentrum‘ von Mühlau, einem Innsbrucker Stadtteil mit dem wuchtigen Gasthof Koreth

Werner KräutlerNach Arzl führt die Etappe nach Mühlau und anschließen direkt ins Stadtzentrum nach Innsbruck. Vorbei am Ansitz Sternbach und dem alt eingesessenen Gasthof Koreth halten die Pilgersleute auf die Kettenbrücke zu. Und dort werden sie von dem Mann – in Stein gehauen – begrüßt, dem sie folgen. Dem Hl. Jakob. Jetzt nur noch den Rennweg – die alte Pferderennstrecke des Kaisers Maximilian entlang – und an betritt den Domplatz mit dem Dom St. Jakob im Zentrum.

Das Ziel dieser Etappe: der Dom zu St. Jakob in Innsbruck

Das Ziel dieser Etappe: der Dom zu St. Jakob in Innsbruck

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