3. Etappe: St. Johann – Wörgl

foto

Pilgern durch eine liebliche Landschaft unter ,Aufsicht‘ des „Wilden Kaisers“ – sanfte Hügel, herzige Bauernhäuser, intensiver Tourismus – durch schöne Wälder und blumenreiche Wiesen und ein Rosendorf gelangen wir zur Brixentaler Ache und in der Folge nach Wörgl. Aber kurz vor Wörgl sollte man unbedingt den auffälligen Hügel besteigen, der mit einem Kirchlein gekrönt ist: das Grattenbergl.

Streckenlänge: ca. 32 km; Dauer: ca. 8 1/2 Stunden.

St. Johann atmet irgendwie immer noch „salzburgerisch“: die barocken Gebäude, die Lüftlmalereien und vor allem die Sprache der Bewohner_innen. Ich kann nur empfehlen, vor Beginn der Etappe auf dem Kirchplatz einen Kaffee zu trinken. Um dann gestärkt entlang der Kitzbühler Ache nach Rettenbach lustzuwandeln. Denn anders kann man die Stimmung hier kaum beschreiben.

Solche Wiesen sind auf dieser Etappe keine Seltenheit: Wollgraswiese zwischen Rettenbach und Going

Solche Wiesen sind auf dieser Etappe keine Seltenheit: Wollgraswiese zwischen Rettenbach und Going

Rechts der Wilde Kaiser, links das Kitzbüheler Horn und vor uns die liebliche Landschaft um Going und Ellmau. Ich beginne zu erahnen, woher die Barockmaler ihre Farbmischungen nahmen, und die Vorlage ihrer feinwolligen Wolken herstammt. Die müssen hier auf Urlaub gewesen sein.

Die Granderhöfe zwischen St. Johann und Going: Pittoresk und wunderschön.

Die Granderhöfe zwischen St. Johann und Going: Pittoresk und wunderschön.

granderhöfe

Bitte beachten: die absolut fotogenen Grander-Höfe auf dem Weg zum Römerhof. Ich schließe daraus, dass bereits die Römer – zumindest was Wohnen und Landschaften anlangt sehr feinsinnig – diese Gegend schätzten. Auch die Trasse des Weges befindet sich allem Anschein nach auf einer Römerstraße.

Going

Going mit seiner schönen Kirche

Jedenfalls ist der Weg bis Going ein Genuss. Going selbst ist bekannt durch den hypertrophen „Stanglwirt“, einem eher hinterwäldlerisch-berglerischen Tempel für alle „Schönen“ und „Reichen“. So stellt sich der kleine aber reiche Maxi Tirol vor. Nach der Beleidigung wissender Pilger_innenaugen durch diesen versuchten – und völlig misslungenen – Nachbau alter Tiroler Bauernhäuser geht es dann auf die andere Seite der Aschauer Ache. Zuerst in das Ortszentrum von Going mit seiner interessanten Kirche und einigen schönen Häusern. Und dann weiter nach Ellmau, einem kaum weniger touristischen erschlossenen Ort. Sei‘s drum.

Das Bergdoktor-Haus in Ellmau. Ich wunderte mich noch, weshalb Tourist_innen in Scharen eine steile Straße erklommen.

Das Bergdoktor-Haus in Ellmau. Ich wunderte mich noch, weshalb Tourist_innen in Scharen eine steile Straße erklommen. Dennoch: die Location des Hauses ist sorgfältig bedacht. Von hier aus hat man einen wunderbareren Ausblick auf die Landschaft.

Der Wilde Kaiser bei Ellmau. Während meiner Etappe hielt er sich quasi bedeckt.

Der Wilde Kaiser bei Ellmau. Während meiner Etappe hielt er sich quasi bedeckt.

Gedenktafel an der Post in Söll

Gedenktafel in Söll

Der Tiroler Jakobsweg führt dann in Ellmau auch relativ steil in die Höhe und verläuft von dort an bis Söll auf einer Trasse, die wunderschön ruhig ist und durch duftende Wälder führt. Immer wieder ziehen die Pilgersleute an Bauernhöfen vorbei, bis sie Söll erreichen. Auch hier lohnt sich ein kurzer Zwischenstopp im Gasthof Post mit seiner bemalten Fassade. Und einer Gedenktafel für einen Kämpfer aus den Napoleonischen Kriegen. 

Die wundervollen Bauernrosen von Itter. Eine wunderbare Idee.

Die wundervollen Bauernrosen von Itter. Eine wunderbare Idee.

Nach Söll geht in diesem ruhigen, sanften Pilgerrhytmus weiter. Itter heißt die nächste größere Ansiedlung, die für Pilger vor allem im Monat Juni von ganz besonderem Reiz ist. Denn Itter ist ein Rosendorf. Und in jenem Ortsteil, den der Tiroler Jakobsweg quert, gibt es die sogenannten ,Bauernrosen‘ zu bewundern. Absolut einmalige, wunderschöne und vor allem wunderbar duftende Rosen werden hier gezogen und auch beschrieben.

Die Mariahilf-Kapelle am Grattenbergl, einem prähistorisch besiedelten Hügel über Wörgl.

Die Mariahilf-Kapelle am Grattenbergl, einem prähistorisch besiedelten Hügel über Wörgl.

Nach dem Abstieg zur Brixentaler Ache führt der Weg auf einen Hügel zu, das Grattenbergl. Hier sollte man sich die Zeit nehmen, den zum ,Naturdenkmal‘ erklärten Hügel zu ,erklimmen‘. Vom kleinen Kirchlein „Maria Heimsuchung“ aus eröffnen sich außerordentliche Ausblicke auf das Inntal.

Der weitere Weg nach Wörgl führt entlang der Ache bis zu einer Unterführung, bei der sich die frohen Pilgersleute nun entscheiden können: bleiben wir in Wörgl oder ziehen wir weiter über den Inn in Richtung Breitenbach?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s