1. Etappe Lofer – Erpfendorf – St. Johann

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Die erste Etappe des Tiroler Jakobsweges führt gleich auf einen „Pass“, auch wenn das den entschlossenen Pilgersleuten kaum auffällt – vorbei an einem uralten Straßenmeilenstein erreicht man Waidring – man ist verwundert ob der vielen Erinnerungstafeln an die napoleonischen Kriege. Aber nun die Entscheidung: die Route via Erpfendorf oder via Pillersee? Hier beschreibe ich jene nach Erpfendorf.   Wieder säumen Erinnerungsmarterl der Franzosenkriege den Weg nach Erpfendorf mit seiner bekannten Kirche – dann weiter in Richtung Kirchdorf am Ufer der Großache in großartigem Panorama – rechts der Wilde Kaiser und vorne das Kitzbüheler Horn.

Streckenlänge: ca. 27 km; Dauer dieser Etappe: ca. 7 Stunden

Lofer. Alle kennen den Namen und nur wenige waren dort. Er ist untrennbar mit dem Begriff des ,Kleinen Deutschen Ecks‘ verbunden. Lofer steht für kurz und bündig ,Umweg‘. Denn motorisierte Tiroler_innen bevorzugen eindeutig die Raserei über das Deutsche Eck via Rosenheim.

lofener bach lofer

Der Lofener Bach ist kein plätscherndes Wässerchen. Im Gegenteil. Eher ein wilder Gebirgsfluss.

Dabei ist Lofer ein ganz liebenswürdiges Städtchen. Verwinkelte Gassen, herausgeputzte Häuser. Und dennoch seiner einstigen Funktion als Relais- und Pfrdewechselstation enthoben. Von hier aus ziehen aber die entspannten Pilgersleute dem Lofener Bach entlang in Richtung Pass Strub. Um auch an einer ehemaligen Festung, jener von Pass Strub vorbei zu kommen, die – wie könnte es anders sein – für Zoll- und Mautabgaben gebaut worden war. Napoleon machte die Feste nahezu dem Erdboden gleich, was in meinen Augen auch kein Schaden war.

Die Festung Pass Strub diente dereinst als Zoll- und Mautstation, wurde aber von den napoleonischen Truppen nahezu dem Boden gleich gemacht.

Die Festung Pass Strub diente dereinst als Zoll- und Mautstation, wurde aber von den napoleonischen Truppen nahezu dem Boden gleich gemacht.

Der Pass Strub ist bald erreicht und nun geht es locker und flockig dahin. Man sollte jedoch die Augen stets offen halten, denn einige km nach der ,Passhöhe‘ passiert man einen alten Meilenstein, der quasi für die Ewigkeit eingemeisselt die Entfernung in die Tiroler Landeshauptstadt angibt: 15 Meilen.

Ein uralter Meilenstein verrät die Entfernung nach Innsbruck: 15 Meilen.

Ein uralter Meilenstein verrät die Entfernung nach Innsbruck: 15 Meilen.

Schon bald passiert man die ersten Häuser von Waidring, quasi eine ,Weiche‘ innerhalb des Tiroler Jakobsweges. Denn hier teilt er sich – weswegen auch immer – in eine Route via Erpfendorf nach St. Johann und eine andere via St. Adolari – St. Ulrich – St. Jakob nach St. Johann. Ich beschreibe an dieser Stelle in aller gebotenen Kürze die Route via Erpfendorf obwohl ich überzeugt bin, dass die andere Strecke die historisch richtige ist.

Eines der wunderschönen Bauernhäuser dieser Region steht im Ortszentrum von Waidring.

Eines der wunderschönen Bauernhäuser dieser Region steht im Ortszentrum von Waidring.

Von Waidring aus geht es weiter über sanfte Wege entlang des Waldrandes bis zu einem relativ geschmacklosen ,Erlebnishotel‘ namens Lärchenhof. Hier lohnt es sich, die Hinweisschilder genau zu beachten, ansonsten besteht die Gefahr von Umwegen.

Berge bei Waidring. Konkret: das Goße Rothorn mit Nebenspitzen.

Berge bei Waidring. Konkret: das Goße Rothorn mit Nebenspitzen.

Die Kirche von Clemens Holzmeister in Erpfendorf. Bild: wikipedia.

Die Kirche von Clemens Holzmeister in Erpfendorf. Bild: wikipedia.

In Erpfendorf ist es die Kirche, die die Aufmerksamkeit der Pilgersleute auf sich zieht. Sie wurde vom berühmten österreichischen Architekten Clemens Holzmeister erbaut. Und nun gehts sanft bergab bis St. Johann.

Eine barocke Landschaft mit hoch aufragenden Bergen begleitet uns bis St. Johann.

Eine barocke Landschaft mit hoch aufragenden Bergen begleitet uns bis St. Johann.

Was mir hier in einem kleinen Haselwäldchen nach Erpfendorf, links des Jakobsweges, aufgefallen ist: ein Marterl für sechs ermordete Bewohner dieses Ortes, die von französischen oder bayerischen Truppen im Zuge der Franzosenkriege getötet worden waren. Das Marterl ist noch immer eine Anklage gegen Krieg, Zerstörung und sinnlose Gewalt.

Sonderbar präsent in dieser Region: die napoleonischen Kriege. Dieses Marterl verweist auf einen Massenmord nach einer der Schlachten am Innsbrucker Bergisel.

Sonderbar präsent in dieser Region: die napoleonischen Kriege. Dieses Marterl verweist auf einen Massenmord nach einer der Schlachten am Innsbrucker Bergisel.

Der Tiroler Jakobsweg am Ufer der Großache bei Kirchdorf in Tirol

Der Tiroler Jakobsweg am Ufer der Großache bei Kirchdorf in Tirol

Ein wunderbarer Anblick am Ende dieser Etappe ist das Kitzbüheler Horn.

Ein wunderbarer Anblick am Ende dieser Etappe ist das Kitzbüheler Horn.

Entlang der Großache mit ihrem wunderbar türkisen Wasser hat man ausgiebig Gelegenheit, diese Landschaft zu studieren. Das Kitzbüheler Horn einerseits und den Wilden Kaiser andererseits.

Ortsbeschreibung Waidring, St. Johann

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