Von Mittenwald in die Leutasch

Es ist nicht übertrieben, diese Etappe als Bilderbuchetappe zu bezeichnen. Sie ist wild-romantisch und lieblich zugleich. Ganz sicher eine der aufregendsten Teilstrecken auf den Tiroler Jakobswegen. Prädikat: besonders pilgernswert.

Mittenwald sollte man sich als Pilger_in unbedingt zu Gemüte führen. Der Gang durch die einstige Handelsstadt auf dem Weg ins reiche Augsburg ist für mich immer wieder mit einem wunderlichen Gefühl verbunden. Wie soll ich‘s nennen? Es ist, als ob die singende Familie Trapp in Lederhosen und Dirndln mit ihrem ,Sound of music‘ grad um die Ecke biegen würde. Heimatfilmmäßig eben.

Im lieblichen Mittenwald wird Kitsch zu Schönheit. Irgendwie.

Im lieblichen Mittenwald wird Kitsch zu Schönheit. Irgendwie.

In Mittenwald wird Kitsch zu Schönheit und Touristen-Nippes werden zu Souvenirs. Nicht zu vergessen die Sehenswürdigkeiten, vor allem die Kirche St. Peter und Paul. Und hier sind es die Betbänke mit ihren per Namensschild vorreservierten Betplätzen. Rechts die Mander, links die Weiberleut‘. So ist‘s zugegangen in katholischen Kirchen.

Reservierte Plätze in den Betbänken der Peter&Paul-Kirche in Mittenwald

Reservierte Plätze in den Betbänken der Peter&Paul-Kirche in Mittenwald

leutascher ace unterhalb klammAber als Pilger / als Pilgerin auf dem Isar-Losiach-Leutascherache-Inn-Jakobsweg muss man sich von solch grandiosen Exempeln des Glaubens losreißen. Quer durch die Touristenmassen geht‘s auf der Hauptstraße gen Süden, in Richtung Leutaschklamm. Der Weg ist übrigens gut beschildert. Am Fuß der Klamm rauscht der Leutascher Bach mit großem Getöse aus seiner Schlucht. Und hier beginnt der Aufstieg durch eine Klamm, die ihresgleichen sucht. Nicht nur der landschaftlichen Eigenheiten wegen sondern auch die Stege und Brücken sind oft in schwindelerregender Höhe angebracht.

Gänsehautfeeling: Hoch über der tosenden Leutascherache schreitet der mutige Pilger / die todesverachtende Pilgerin dahin.

Gänsehautfeeling: Hoch über der tosenden Leutascherache schreitet der mutige Pilger / die todesverachtende Pilgerin dahin.

Ein anderer, höher gelegener Einstieg ist auch möglich: wer zuerst zum Gasthof Gletscherschilff wandert und von dort aus weiter in Richtung Leutasch, kann sich auf den vielen Erklärtafeln über die Entstehung und die Eigenarten dieser Landschaft informieren.

Tief in die Kalkfelsen eingegraben: die smaragdfarbene Leutascherache

Tief in die Kalkfelsen eingegraben: die smaragdfarbene Leutascherache

Die Überraschung: Die Klamm selbst ist nicht nur fantastisch erschlossen, sie ist vor allem kostenlos zu begehen. Es ist eine unwahrscheinlich wilde, tiefe Klamm, die von unzähligen Brücken erschlossen wird. Tief unten brodelt die Leutascher Ache mit ihrem paradiesisch schönen türkisen Wasser. Ein einmaliges Spektakel auf einem Jakobsweg, soviel steht fest.

Einmalige Blicke in die Schlucht

Einmalige Blicke in die Schlucht

Nach dem Ausstieg aus der Klamm – man benötigt rund 1 Stunde – wartet auf die Touristen Spaß und Spiel, auf uns Pilger_innen ein Gasthaus namens Klammgeist.

Und von hier aus geht‘s nun rund 2 Stunden mehr oder minder ‚flach‘ dahin. Durch kleine Weiler inmitten einer berauschend schönen Naturkulisse. Meist direkt am Ufer der Leutascherache, die hier bereits ihre wundersame türkise Farbe entwickelt. 

Die Leutascher Ache vor dem hühnenhaften Bergstock der Hohen Munde.

Die Leutascher Ache vor dem hühnenhaften Bergstock der Hohen Munde.

Von fern kann man dann plötzlich ein Kirchlein mit dem üblichen Zwiebelturm erblicken das sich von dem hinter ihr liebenden Bergriesen, der Hohen Munde abhebt. http://www.leutasch.at/ Ein zauberhaftes Bild. Man ist geneigt zu behaupten, dass Ludwig Ganghofer, der große bayerische Dichter, die Leutasch nicht zufällig zu seinem Wohnort erkoren hatte.

Die Kirche zu Leutasch. Dieses Bild ist typisch für die Etappe, die zu den schönsten Etappen an den Jakobswegen in Tirol gehört.

Die Kirche zu Leutasch. Dieses Bild ist typisch für die Etappe, die zu den schönsten Etappen an den Jakobswegen in Tirol gehört.

Lasst euch durch die zahlreichen ,Ortsnamen‘ wie Weidach, Puit, Gasse etc. nicht  verunsichern. Es handelt sich um ein und dieselbe Gemeinde, vom Klammgeist weg gerechnet bis auf den passähnlichen Anstieg, der die Leutasch vom Inntal trennt und Teil der nächsten Etappe von der Leutasch nach Mötz ist.

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Ein Gedanke zu “Von Mittenwald in die Leutasch

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