12. Etappe: von Flirsch auf den Arlbergpass

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Die letzte Etappe des Tiroler Jakobweges führt auf den Arlbergpass. Auf dieser höchsten Erhebung zwischen Petersburg und Santiago de Compostella erwartet die strebsamen Pilger_innen eine freudige, ja geradezu luxuriöse Überraschung.

Streckenlänge: ca. 20 km, Gehzeit: etwa 7 Stunden, zu überwindender Netto-Höhenunterschied: 639 m

Die letzte Etappe auf Tiroler Boden hat es in sich. Obwohl nur knapp 20 km lang, müssen zwischen Flirsch und St. Christoph mehr als 600 Höhenmeter überwunden werden.

Eine wichtige Vorbemerkung: diese Etappe führt durch Orte, in denen quasi jede Menge österr. Skistars geboren wurden oder in denen sie gelebt haben. Ich komme nicht umhin, diese zu nennen.

Das Ortszentrum des Dörfchens Flirsch am Arlberg.

Das Ortszentrum des Dörfchens Flirsch am Arlberg.

Gemeindeamt in Flirsch

Das Flirscher Gemeindeamt

Zuerst geht es eher geruhsam dahin. Der Jakobsweg führt nun vom Heimatort des österr. Ski-Olympiasiegers und Weltmeisters Mario Matt (ihm ist vor dem architektonisch verschnörkelten Gemeindeamt Flirsch ein Plätzchen ,geweiht‘) nach Schnann. Das wunderschöne Stanzertal liegt den aufwärts strebenden Pilger_innen nun geraume Zeit quasi zu Füßen. 

Der wunderbare Blick auf das Stanzertal vom Tiroler Jakobsweg aus zwischen Flirsch und Schnann

Der wunderbare Blick auf das Stanzertal vom Tiroler Jakobsweg aus zwischen Flirsch und Schnann

Bemerkenswert in Schnann sind die zahlreichen erklärenden Tafeln am Wegesrand, die den Ort historisch und naturkundlich vorstellen. Da haben sich die Bürger_innen nicht nur etwas einfallen lassen, sie haben die Informationen auch noch spannend und attraktiv umgesetzt.

WICHTIGER HINWEIS: bei sehr schlechter Witterung ist es empfehlenswert, nicht die ausgeschilderte Route des Jakobsweges zwischen Flirsch und Schnann zu benützen sondern die alte Bundesstraße. Denn der Jakobsweg quert einen Bach, der bei normalen Witterungsverhältnissen kaum oder gar kein Wasser führt. Nach länger anhaltenden Regenfällen oder starken Regenfällen ist es möglich, dass sich der Bach in einen Wildbach verwandelt. Bitte erkundigt Euch bei Schlechtwetter im Gemeindeamt Flirsch, ob der Jakobsweg nach Schnann begehbar ist.

Nach Schnann verläuft die Trasse des Jakobsweges am Fuße steil abfallender Hänge in Richtung Pettneu. Entlang des Flusses Rosanna geht es dann in Richtung St. Jakob und weiter in Richtung St. Anton am Arlberg. 

Immer wieder schön: der einzigartige Blumenschmuck an den Bauernhäusern.

Immer wieder schön: der einzigartige Blumenschmuck an den Bauernhäusern.

Wundersam ist die Tatsache, dass auf der ersten und der letzten Etappe des Tiroler Jakobsweges jeweils ein Ort namens St. Jakob durchpilgert wird. Nach Lofer und Waidring ist es St. Jakob in Haus und am Arlberg eben St. Jakob am Arlberg. Hier, inmitten relativ hoch aufragender Berge waren mittelalterliche Pilger_innen sicher etwas verunsichert und waren bestimmt froh, dass sich ein Ort ihrer angenommen hatte.

Das liebliche Örtchen St. Jakob am Arlberg. Rastplatz von Pilgern im Mittelalter genauso wie in der Neuzeit.

Das liebliche Örtchen St. Jakob am Arlberg. Rastplatz von Pilgern im Mittelalter genauso wie in der Neuzeit.

Eine lebensgroße Jakobs-Statue begrüßt die hastenden Pilger_innen quasi in seiner eigenen Kirche...

St. Jakob begrüßt die hastenden Pilger_innen quasi in seiner eigenen Kirche…

Heute noch sehenswert ist die Jakobskirche mit der lebensgroßen Figur des Heiligen, der auch auf Fresken im Kircheninneren dargestellt ist. 

Ab St. Jakob geht‘s dann quasi ans Eingemachte. Via St. Anton, dem berühmten Wintersport- und Wohnort der österreichischen Schi-Legenden Karl Schranz, Karl Cordin und Gertrud Gabl geht‘s dann in die Rosanna-Schlucht. Fernab des Trubels schlängelt sich dieser Gebirgsbach durch das Verwall-Tal. Und von hier aus beginnt dann der eigentliche Aufstieg auf den Arlberg-Pass.

Der suchende Blick der Pilger_innen schweift über St. Anton hin zum Arlbergpass.

Der suchende Blick der Pilger_innen schweift über St. Anton hin zum Arlbergpass.

Schon nach 15 Minuten Fußweg von St. Anton empfängt uns die Rosanna-Schlucht.

Schon nach 15 Minuten Fußweg von St. Anton empfängt uns die Rosanna-Schlucht.

Vorbei an der Stiegeneck-Kapelle mit den zahlreichen Votivtafeln durchschreiten die mutigen Pilger_innen erst einen dichten Wald um dann eine Lichtung samt Hochmoor zu erreichen. Nach der Überquerung der Arlberg-Bundesstraße wird‘s dann doch etwas heftiger. Steil führt der Weg hinan zum Maiensee, dem höchsten Punkt der Etappe und des Tiroler Jakobsweges. Dies ist aber auch der höchste Punkt zwischen St. Petersburg und Santiago de Compostela.

Der Blick zurück aufs Stanzertal.

Der Blick zurück aufs Stanzertal.

Votivtafeln an der Stiegeneck-Kapelle zeugen von ungebrochenem Volksglauben.

Votivtafeln an der Stiegeneck-Kapelle zeugen von ungebrochenem Volksglauben.

Ein Hochmoor samt fantastischem Ausblick erwartet die Pilger_innen kurz bevor sie die Arlbergstraße queren und sich zum letzten Aufstieg des Tiroler Jakobsweges aufraffen.

Ein Hochmoor samt fantastischem Ausblick erwartet die Pilger_innen kurz bevor sie die Arlbergstraße queren und sich zum letzten Aufstieg des Tiroler Jakobsweges aufraffen.

Entlang des letzten Aufstieges zum Maiensee ist wohl eine Ausstellung geplant. Mir eröffnete sich der Sinn dieses Holzfensters in einsamer Bergflur nicht wirklich...

Entlang des letzten Aufstieges zum Maiensee ist wohl eine Ausstellung geplant. Mir eröffnete sich der Sinn dieses Holzfensters in lichten Bergeshöhn‘ nicht wirklich…

Sodala, das ist er: der höchste Punkt des Jakobsweges zwischen St. Petersburg und Santiago

Sodala, das ist er: der höchste Punkt des Jakobsweges zwischen St. Petersburg und Santiago

Der Maiensee lässt den Blick über ein wunderschönes Hochmoor schweifen.

Der Maiensee belohnt die verschwitzen Pilger_innen für die Mühen des Aufstieges und präsentiert ein kleines aber feines Hochmoor.

Dieser Blick lässt die Pilgerherzen höher schlagen. St. Christoph liegt uns zu Füßen.

Und dieser Blick lässt die Pilgerherzen höher schlagen. St. Christoph liegt uns zu Füßen. Die Berge am Horizont sind bereits Vorarlberger Berge.

Es muss der Blick auf St. Christoph gewesen sein, der immer schon Pilger_innenherzen erfreute. Von weitem schon ist das Hospiz ersichtlich mit seiner Kapelle und dem kleinen Kirchturm.

Das Hospiz St. Christoph. Eine Gründung von Heinrich Findelkind.

Das Hospiz St. Christoph. Eine Gründung von Heinrich Findelkind.

Und wenn die Pilger_innen das 5-Sterne-Hotel betreten ist die Überraschung perfekt. Die Frage nach einem Pilgerzimmer wird an der Rezeption mit größter Selbstverständlichkeit mit der Aushändigung eines Zimmerschlüssels beantwortet. Die Kosten: 35 Euro Halbpension mit Pilgerausweis.

Ein kleines Paradies für Pilger_innen.

Ein kleines Paradies für Pilger_innen.

Ich hatte ursprünglich geglaubt, ein Matratzenlager zu beziehen. Doch hier täuschte ich mich gewaltig: Pilger_innen logieren im Hospiz wie die Fürsten. In einem der wunderschönen Zimmer mit Bad und goldenen Armaturen.

Hier fühlen sich Pilger_innen wohl: das Hospiz St. Christoph.

Hier fühlen sich Pilger_innen wohl: das Hospiz St. Christoph.

Hier sei dem Patron Adi Werner und seiner Familie gedankt. Schon klar, das Hospiz wurde im 14. Jhdt. für Menschen errichtet, die den Pass schon im frühen Mittelalter unter größten Mühen und teils unter Lebensgefahr überqueren mussten. Darunter waren auch viele Pilger_innen. Aber dass moderne Pilger_innen quasi luxuriös untergebracht werden, ist nicht so selbstverständlich. Dank Adi Werner aber offenbar schon. Ihm gebührt mein spezieller Dank.

Der Arlbergpass ist erreicht. Hier endet der Tiroler Jakobsweg und geht in den Vorarlberger Jakobsweg über.

Der Arlbergpass ist erreicht. Hier endet der Tiroler Jakobsweg und geht in den Vorarlberger Jakobsweg über.

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