Waidring: „200 gefangen und etwas todgeschossen“

Die erste Etappe des Tiroler Jakobsweges führt vom Pass Strub quasi diretissima nach Waidring. Ein Ort, in dem die Franzosenkriege noch ,lebendig‘ sind. Und wo sich der Weg nach Santiago teilt: einer führt via Erpfendorf nach St. Johann. Der ,originalere‘ Weg ging aber sicher via  St. Adolari und St. Jakob nach St. Johann.

Der Meilenstein am Tiroler Jakobsweg bei Waidring.

Der Meilenstein am Tiroler Jakobsweg bei Waidring.

Logisch: der Pass Strub ist kein Timmelsjoch. Dennoch habe ich die Erklimmung des Passes Strub nicht wirklich wahrgenommen. Es geht zuerst irgendwie aufwärts. Und offenbar irgendwie dann abwärts. Egal. Und das, obwohl die Leonganger Steinwände einigermaßen majestätisch empor ragen. Also insofern darf diese Gegend schon als Pass betrachtet werden. Dann ist da noch der alte Meilenstein, der den demütigen Pilgersleuten die Wegstrecke nach Innsbruck darlegt.

Ruine Festung Strub Jakobsweg Tirol

Die Ruine der einstigen Festung Strub. Die Franzosen sprengten die Zwingburg während der napoleonischen Kriege ganz einfach.

Berge Waidring am Jakobsweg Tirol

Ein Blick auf die Waidringer Berge, konkret das Rothorn.

Waidring selbst ist heutzutage aus zwei Gründen bekannt: einerseits hat hier Austro-Barde Wolfgang Ambros seine Zelte hauptsächlich zwecks ,Schifoan‘ aufgeschlagen und andererseits ist die Steinplatte ein halbwegs bekanntes Skigebiet.

Mozartbüste Tiroler Jakobsweg Waidring

Mozart hat eine frappierende Ähnlichkeit mit Elvis the Pelvis. War das vielleicht sogar beabsichtigt?

Ach ja, da ist noch Wolfgang Amadeus Mozart, der am 13. August 1771 mit seinem Vater im Gasthof Post abgestiegen war. Man wollte nach Verona fahren und stärkte sich in der Post. Offenbar „mit einer Suppe und einem gar nicht üblen St. Johanner-Bier“, wie Leopold Mozart seiner Frau in einem Brief mitteilte. Eine Erinnerungsskulptur verweist heute noch auf die Rast des Kompositeurs. Wobei anzufügen ist, dass man in der Skulptur genausogut Elvis the Pelvis erkennen könnte. Wenn man unbedingt wollte…

Waidring, Schenke und Kapelle

Das Ortszentrum von Waidring

Vor mehr als 200 Jahren stand der Ort allerdings im Zentrum blutiger Kämpfe während der Franzosenkriege. Das Denkmal für die Tiroler Schützen im Ortszentrum verweist auf den Blutzoll, den die ,Tiroler Freiheitskämpfer‘ leisten mussten. Denn in den Kämpfen um den Pass Lueg zeichnete sich vor allem Joseph Stuber und seine Schützen aus.

Waidring, Tiroler Jakobsweg, Gedenkstein 1809

Ein Gedenkstein erinnert an die blutigen Ereignisse anno 1809 in Waidring.

Besonders interessant ist aber eine andere Tatsache. Ein Bauer namens Leonhard Millinger verfasste ein Buch das heute noch für Wissenschafter interessant ist. Darin beschreibt er die Welt wie er sie kennt. Man begegnet seinem Werk auf dem Weg recht handfest. Nämlich beim Waidringer Schützenweg am Ausgang des Ortes in Richtung Erpfendorf. Eine Tafel schildert Millingers Beobachtungen , die er vermutlich als Beteiligter am Freiheitskampf verfasste.

Leonhard Millinger, Besitzer des Bodnergutes an der Steingasse vermerkte im Tagebuch:

„Den 17. Oktober kam die Nachricht, dass am Melleck, Wegschaid und Bodenbichl die 15 Oberländer Schitzenkompanien vom bairischen Militär umrungen und zerstört sind: Aus 1.800 Schitzen 200 gefangen und etwas todgeschossen. Diesen 17. Okt. kommen bei 60 bayrische Reiter auf Waidring. Die geflohenen Schitzen kommen von Pass Strub vor den Bairn herauf, die meisten durch das Unknertal, über die Steingass, wo es an diesen Abend 300 Mann mit Speckbacher herabkamen.“

Pilger_innen passieren einen Themenweg, rund 2 km außerhalb von Waidring in Richtung Erpfendorf. Hier wird an die brutalen Übergriffe der bayerischen Truppen genauso erinnert wie eben an die Flucht des Majors Speckbachers, eines Mitkämpfers von Andreas Hofer.

Waidring, Schützenweg am Tiroler Jakobsweg

In dieser Gegend hatten die bayerischen Truppen vor 200 Jahren offenbar sinnlos gewütet und gemordet.

Waidring, Kapelle am Tiroler Jakobsweg

Volksfrömmigkeit, auf den Punkt gebracht. Eine der seltenen Darstellungen mit dem Grab Jesu.

Die Kapellen am Weg in der Region um Waidring lassen an drastischen Darstellungen eigentlich nichts zu wünschen übrig. Rund 3 km nach Waidring auf dem Tiroler Jakobsweg kann man bei dieser Kapelle etwas rasten, in der das Grab Jesu dargestellt wird.

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2 Gedanken zu “Waidring: „200 gefangen und etwas todgeschossen“

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