Roppen: Adrenalin und Römerbadl

Beschaulichkeit und Schönheit. Das war einmal in jenem Dorf, in dem die Ötztaler Ache in den Inn fließt. In Roppen hat sich einerseits die Tiroler Sommer-Fun-Szene breit gemacht. Und die verwandelt den Unterlauf der Ötztaler Ache während des Sommers in eine lärmende Freilichtbühne. Vermutlich, um unterforderten Stadtmenschen die Ausschüttung überschüssigen Adrenalins zu erleichtern. Andererseits: Roppen reiht sich nahtlos in die Reihe jener Tiroler Dörfer ein, die architektonisch quasi kahl geschlagen und somit gesichtslos worden sind. Schade.

Leser_innen meines Blogs wissen’s ja längst: In Roppen teilt sich der Tiroler Jakobsweg für eine Etappe: Pilger_innen können wählen: zwischen der Variante über das Pitztal nach Imsterau nach Zams und der  historischen Etappe über Karres und Karrösten. Den Ort durchqueren nur jene Pilger_innen, die die Wegvariante via Pitztal nach Zams gewählt haben.

Roppen ist älter als er zu sein scheint. Eine Erhebung, an der die Jakobspilger_innen vorbei spazieren, wird Burschl genannt. Und dürfte bereits zur Bronzezeit, also vor 3000 Jahren besiedelt gewesen sein. Oder zumindest als Opferplatz gedient haben wie einschlägige Funde belegen.

Der Jakobsweg beim Burschl, einer kleinen Erhebung links im Bild, von der aus der Blick...

Der Jakobsweg beim Roppener Burschl, einer kleinen Erhebung links im Bild, von der aus der Blick…

...zum Acherkogel, der sich an dieser Stelle als Trinität darstellt.

…zum Acherkogel geht, der sich an dieser Stelle als mystische Trinität darstellt.

Es lohnt sich, den Hügel zu besteigen, an dessen höchter Erhebung die Bruder-Klaus-Kapelle steht. Denn von hier aus wird bei halbwegs gutem Wetter sichtbar, weshalb diese Erhebung für die Menschen der Vorzeit so wichtig war: Vom Burschl aus erscheinen der mächtige Acherkogel und zwei seiner Nebenspitzen als Felspyramiden. Trinität wie auch pyramidale Formen waren spätestens für die Räter heilige Symbole. (Ein weiteres Beispiel ist Obsaurs mit dem Tschirgant und den 3 Saligen). Die christliche ,Bruder-Klaus-Kapelle‘ steht somit – wie viele andere Kirchen in Tirol – inmitten eines uralten Zeremonienareals. Das wird durch Mutungen belegt, die ich aber auch mehrere Wünschelrutengänger übereinstimmend gemacht hatten. Just beim dem Altar des Kirchleins befindet sich ein überaus starker energetischer Kreuzungspunkt.

Roppen mit dem mächtigen Acherkogel quasi in der Hinterhand.

Roppen mit dem mächtigen Acherkogel quasi in der Hinterhand.

Im Stil eines römischen Tempels errichtet: das Römerbadl am Inn in Roppen

Im Stil eines römischen Tempels errichtet: das Römerbadl  in Roppen

Die denkmalgeschützte Straße mit ihren "Randsteinen".

Die denkmalgeschützte alte Straße mit ihren „Randsteinen“.

Durch Roppen – besser gesagt in der Nähe von Roppen – führte eine Römerstraße auf der links des Inns (flussabwärts betrachtet) zum Weiler Magerbach, den die Pilger_innen beim Verlassen der Gemeinde Haiming durchschritten hatten. Eine alte Quellfassung der Römer wurde im Zuge des Autobahnbaues zerstört, die Quelle selbst aber neu gefasst und ins sogenannte ,Römerbadl‘ am Innufer in Roppen geleitet. Es ist wirklich ratsam, bei diesem ,Tempelchen‘ kurz Station zu machen. Denn das mineralische Wasser des Römerbadls bringt auch müde Füße wieder binnen kurzem auf ,Vordermann und Vorderfrau‘.

Wählt man als Pilgersfrau oder Pilgersmann die historische Route via Karres, betritt man ab der sogenannten Trankhütte eine uralte Straße, die sogar unter Denkmalschutz steht. Es ist die alte Landstraße. Historisch belegt ist der Transport von Erzen und des Haller Salzes ins Engadin und in den Vinschgau.

Eine Straße unter Denkmalschutz: die Trasse der alten Salzstraße, die alte Landstraße von Roppen nach Karres.

Eine Straße unter Denkmalschutz: die Trasse der alten Salzstraße, die alte Landstraße von Roppen nach Karres.

Der unverkennbare Turm der St. Leonhardkirche in Roppen. Im Hintergrund die mächtigen Kalkfelsen der Mieminger Kette.

Der unverkennbare Turm der St. Leonhardkirche in Roppen. Im Hintergrund die mächtigen Kalkfelsen der Mieminger Kette.

Weithin sichtbar und somit auffällig ist der Kirchturm der Leonhardskirche mit seiner ,polygonalen Laterne‘ samt Spitzdach. Die Innengestaltung der in neuromanischem Stil erbauten Kirche ist überaus farbenprächtig. Die Fresken sind in mehreren verschiedenen Stilrichtungen gemalt, von Präraffaelismus bis hin zum Realismus.

Der Kopfschmuck einer Kuh beim Almabtrieb wird an dieser Roppener Stallwand stolz ausgestellt.

Der Kopfschmuck einer Kuh beim Almabtrieb wird an dieser Roppener Stallwand stolz ausgestellt.

Roppen selbst hat bei weitem schon bessere Zeiten gesehen. Für mich hat der Ort sein Gesicht verloren. Die architektonische Verwilderung (es dürfte sich gar um einen Kahlschlag gehandelt haben) setzte offenbar nach dem Krieg und vor allem mit dem Aufschwung des Tourismus ein. Es war die Zeit der viereckigen, architektonisch völlig ideenlosen Häuser mit den angesetzten üppig-schweren Holzbalkonen. Heute noch glaube ich in Roppen jene Holzsschutzmittel zu riechen, mit denen diese Ikonen des schlechten Geschmacks imprägniert worden waren. Aber: ich habe mich dennoch bemüht, einige Bilder einzufangen, die erahnen lassen, wie schön das einstige Bauerndorf mit den vielen Brunnen – sie spenden heute noch wunderbar kaltes und gutes Wasser – gewesen sein muss.

Bauernhof in Roppen am Jakobsweg Tirol

Bauernhof in Roppen am Jakobsweg Tirol

Eine kleine Holzbrücke überspannt in Roppen den Leonhardsbach

Eine kleine Holzbrücke überspannt in Roppen den Leonhardsbach

Der prachtvolle Blick von der Wegvariante des Tiroler Jakobsweges zwischen Roppen und Arzl auf den Inn und den Ort

Der prachtvolle Blick von der Wegvariante des Tiroler Jakobsweges zwischen Roppen und Arzl auf den Inn und den Ort

Blick in die Imster Schlucht von der Wegalternative Roppen-Arzl-Imsterau aus gesehen.

Blick in die Imster Schlucht von der Wegalternative Roppen-Arzl-Imsterau aus gesehen.

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