Die Via Tirolensis, der Tiroler Jakobsweg

Als ich 2000 von meiner ersten Pilgerreise (Roncesvalles – Santiago) zurückgekehrt war stand für mich fest: der Tiroler Jakobsweg musste endlich aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden. Mein Name ist Werner Kräutler und ich war damals doch Regionalmanager des LEADER-Vereins Ötztal. Und so ein Projekt war ja geradezu ein Geschenk des Himmels.

10 Jahre ‚Jakobsweg-neu‘ durch Tirol

wk KopieIch begann also, die alten Wege durch ‚meine Region‘ – sie reichte von Rietz bis Roppen, von Ötz bis Sölden – zu erforschen. Dabei stieß ich auf hölzerne Tafeln, die jemand bereits an den alten Routen angebracht hatte. Wie ich bald darauf erfuhr, handelte es sich um Peter Lindenthal, den inzwischen berühmten Autor von Pilgerführern durch ganz Europa. Seine Anregungen zur Routenführung übernahm ich aus seinem Pilgerführer Auf dem Jakobsweg durch Österreich – Von Pressburg über Wien, Linz, Salzburg und Innsbruck nach Feldkirch“. Und – ich konnte es kaum glauben – ich entdeckte erst kürzlich wieder diese einfachen Orientierungstafeln. Sowas macht Freude.

Diese uralten Tafeln stammen noch von den Erkundungen von Peter Lindenthal, dem inzwischen renommierten Autor von Pilgerführern am Jakobsweg. Gesehen auf der uralten Straße von der Trankhütte nach Karres.

Diese uralten Tafeln stammen noch von den Erkundungen von Peter Lindenthal, dem inzwischen renommierten Autor von Pilgerführern am Jakobsweg. Gesehen auf der uralten, unter Denkmalschutz stehenden Straße von der Trankhütte nach Karres.

Die Idee traf in Tirol auf fruchtbaren Boden. Dipl.Ing. Christian Stampfer, seines Zeichens Koordinator der Regionalentwicklungsvereine in Tirol nahm die Idee quasi volley auf – ein Projekt für ganz Nordtirol wurde geschnürt. Und vor genau 10 Jahren fand sozusagen die Wieder-Eröffnung des Tiroler Jakobsweges statt. Im Bereich meines ‚Betreuungsgebietes‘ brachte ich zusätzlich zu den Tafeln noch gelbe Pfeile an – ganz so, wie es Pilger_innen in Spanien gewohnt sind. Einige dieser Pfeile existieren auch noch. **Freu**

Inzwischen mehr als 12 Jahre alt: die Pfeile, die ich 2003 angebracht hatte. Auch mein Pilgerstab samt Muschel ist noch derselbe.

Inzwischen mehr als 12 Jahre alt: die Pfeile, die ich 2003 angebracht hatte. Auch mein Pilgerstab samt Muschel ist noch derselbe.

Eines stand für mich immer außer Zweifel: dass im Mittelalter tausende, wenn nicht sogar zehn- bis hunderttausende Menschen durch Tirol gezogen sind. Die im Dom zu St. Jakob in Innsbruck verweilten, das Kloster Stams als Unterkunft schätzten und auf dem Arlbergpass das Hospitz St. Christoph als Zuflucht aufsuchten. Sie folgen damals den leichtesten Routen. Und das waren die alten Römerstraßen, teils noch die rätischen Wege und Steige. Nun galt es damals, den Wegverlauf durch Tirol festzulegen und auszuschildern.

Die neuen Jakobswegschilder in Tirol. Dass sie hier (in Roppen) gleich in zwei Richtungen deuten hat einen Grund: links geht es auf einer Wegvariante über Wald und Arzl nach Zams, rechts der Weg über Karres, Karrösten, Imsterau, Kronburg nach Zams.

Die neuen Jakobswegschilder in Tirol. Dass sie hier (in Roppen) gleich in zwei Richtungen deuten hat einen Grund: links geht es auf einer Wegvariante über Wald und Arzl nach Zams, rechts der Weg über Karres, Karrösten, Imsterau, Kronburg nach Zams.

Diese kleinen Kleber helfen den edlen Pilgersleuten doch sehr: sie können an Verkehrstafeln angebracht werden. Allerdings: gelbe Pfeile wären die ultimative Hilfe. Denn Pilger_innen sollten sich nicht mit 25.000er Landkarten abmühen müssen nur um herauszufinden, wohin der Weg NICHT führt.

Diese kleinen Kleber helfen den edlen Pilgersleuten doch sehr: sie können an Verkehrstafeln angebracht werden. Allerdings: gelbe Pfeile wären die ultimative Hilfe. Denn Pilger_innen sollten sich nicht mit 25.000er Landkarten abmühen müssen nur um herauszufinden, wohin der Weg NICHT führt.

In der Zwischenzeit ist viel Wasser den Inn herunter geflossen. Die Pilger_innenzahlen steigen auch in Tirol. Und dennoch fehlte mir etwas: ein Blog zum Tiroler Jakobsweg, zur Via Tirolensis. Ich habe einen Blog bereits über die ‚Via Tolosana‘ geschrieben, die ich in den Jahren 2013 und 2014 von Montpellier bis nach Puente la Reina durchpilgerte. Und dieses Angebot an potentielle Pilger_innen ist sehr gut aufgenommen worden.

Blog – das bedeutet für mich eine Darstellung eines Sachverhaltes aus meiner persönlichen Sicht heraus. Blog bedeutet für mich aber auch keinerlei finanzielles Interesse, keine Werbung, nix. Einfach die ehrliche Darstellung des Sachverhaltes – in diesem Fall des Jakobsweges durch Tirol – aber eben aus meiner Sicht.

Der Tiroler Weg gehört sicher zu den einmaligen Wegen in Richtung Santiago. Die Farben, Gerüche, Kulturdenkmale, Kirchen und Klöster sind einmalig. Und noch etwas fällt mir sehr intensiv auf: Der Reichtum des Landes an Wasser. Diesen Reichtumg zeigen die Gemeinden in Tirol auch, in Form hunderter, wenn nicht sogar tausender Brunnen. Aus ihnen fließt wunderbar klares, wohl schmeckendes Wasser, teils sogar in Mineralwasserqualität.

So überlasse ich es euch, geneigte Pilgerin, geschätzter Pilger, meine Informationen aufzunehmen (oder auch nicht). Ich hoffe jedenfalls ein kleines Scherflein dazu beizutragen, den Gedanken des Pilgerns (fernab dogmatischer Glaubsensstreitereien) weiter zu tragen. Und was für mich Pilgern bedeutet, habe ich hier zusammengetragen.

Ultreia!

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2 Gedanken zu “Die Via Tirolensis, der Tiroler Jakobsweg

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